Sächsisches Handwerk: Doppelhaushalt nicht ambitioniert genug. Mehr Mut zu echter Veränderung gefordert.
23.09.2026
Mehr als 160 Handwerksvertreter und Landtagsabgeordnete haben beim 22. „Großen Parlamentarischen Abend des sächsischen Handwerks“ über den nächsten Doppelhaushalt 2027/28 im Freistaat diskutiert. Der Entwurf der Landesregierung ist vielen Betriebsinhabern nicht ambitioniert genug.
Der aktuelle Haushaltsentwurf ist auf Kante genäht. Die Staatsregierung will sich neu verschulden. „Wir haben uns klar gegen Kredite ausgesprochen, wissen aber auch, dass es aktuell ganz ohne neue Schulden nicht gehen wird“, sagte Uwe Nostitz, Präsident des Sächsischen Handwerkstages (SHT), am Dienstagabend im Landtag. „Aber wenn schon neue Schulden aufgenommen werden müssen, heißt das doch nicht, sofort an die höchstmögliche Verschuldungsgrenze zu gehen“, so der Diplom-Ingenieur.
„Klar ist: Wir müssen investieren. Es geht um die Substanz unserer Infrastruktur. Unser Wohlstand bröckelt. Wir laufen seit Jahren auf Verschleiß.“ Laut Haushaltsentwurf soll die Investitionsquote im nächsten Jahr bei 13,5 Prozent liegen. 2006 waren es 24,2 Prozent. „Da müssen wir im besten Fall wieder hin. Aus eigener Kraft“, so Uwe Nostitz.
Nicht mehr sondern weniger brauchen die sächsischen Handwerksbetriebe bei bürokratischen Dokumentationen und Auflagen. Wann fällt etwas weg? Wann kommen Entlastungen endlich im Alltag an? „Das höre ich immer wieder aus den Betrieben“, so der SHT-Präsident.
Bürokratie gibt die Chance für Personalabbau. Wenn Aufgaben wegfallen, müssen auch die Strukturen dahinter schlanker werden. Die Handwerksbetriebe haben schmerzlich gelernt, mit weniger Fachkräften auszukommen. „Die Landesverwaltung muss es auch lernen.“
Die Regierung überlässt den Stellenabbau weitgehend der demografischen Entwicklung. Nur 523 Stellen von rund 96.000 sollen in den nächsten zwei Jahren wegfallen. „Das reicht nicht! Hier fordern wir deutlich mehr Durchschlagskraft und mehr Mut zu Veränderung.“
Das Handwerk in Sachsen steht bereit, die Veränderungen mitzugestalten. „Wir brauchen dafür Vertrauen statt Misstrauen in diejenigen, die jeden Tag unternehmerische Verantwortung übernehmen“, sagte Uwe Nostitz.
Hintergrund:
Der Sächsische Handwerkstag vertritt mehr als 54.000 Handwerksbetriebe, in denen etwa 280.000 Menschen beschäftigt sind. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 36 Milliarden Euro.