Handwerksbetriebe erwirtschaften den Großteil ihres Umsatzes in einem Umkreis von 50 Kilometern

27.08.2026

Auftraggeber zu über 60 Prozent Privatkunden / Falsche Vergabepolitik

Gegenwärtig erwirtschaften sächsische Handwerksbetriebe 84,7 Prozent ihrer Umsätze in einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern. Das ist eine deutliche Verschiebung im Vergleich zum Jahr 2013. Da waren es nur 67,6 Prozent, wie eine Zeitreihe zur „Struktur im Handwerk“ zeigt. Das Ausland spielt mit 0,8 Prozent so gut wie keine Rolle.

„Früher mussten die Unternehmen auch Aufträge in ferneren Regionen annehmen, um ihre Kapazitäten auszulasten und wirtschaftlich zu überleben – Stichwort Montage. Heute ist das immer seltener der Fall. Nur noch 4,5 Prozent der Umsätze im Gesamthandwerk werden in einem Umkreis ab 150 Kilometern und mehr erlöst“, sagt Dr. Andreas Brzezinski, Sprecher des Geschäftsführerkollegiums des Sächsischen Handwerkstages.

Im Werben um Fachkräfte ist das ein Vorteil für die Betriebe. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt im Handwerk eine zunehmend wichtige Rolle. Da ist es positiv, wenn man wegen der Montagearbeit nicht eine Woche von zu Hause getrennt ist.“

Eine Verschiebung in den letzten Jahren gab es auch bei der Umsatzverteilung. Hauptabnehmer von handwerklichen Leistungen sind private Auftraggeber, mit denen die Betriebe 61,4 Prozent ihrer Umsätze im Jahr 2025 erzielten. 2013 waren es nur 40,6 Prozent. Öffentliche Auftraggeber haben weiter an Boden verloren. Ihr Anteil liegt aktuell bei 7,4 Prozent (2013: 13,8 Prozent). „Das ist auch ein Ergebnis einer fehl geleiteten Vergabepolitik der öffentlichen Hand, wo fast immer der billigste Anbieter den Auftrag erhalten hat. Das hat die Unternehmen mürbe gemacht“, erläutert Andreas Brzezinski.

Besonders in ländlichen Regionen, die vor großen demografischen Herausforderungen stehen, wirkt sich die Verschiebung in Richtung Privatkunden nachteilig aus. „Viele Betriebe fragen sich, ob ihr Geschäftsmodell in zehn Jahren bei einer immer älter werdenden Gesellschaft noch trägt.“

Mit dem Sondervermögen müssen die Kommunen gegenhalten und in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen anschieben. „Die Erwartung der Handwerksbetriebe ist, dass sie mit auskömmlichen Preisen zum Zuge kommen. In Form von Wertschöpfung, Gewerbesteuern und Spenden für Vereine und Feste fließt das Geld in die Regionen wieder zurück“, so Andreas Brzezinski.

Hintergrund:

Der Sächsische Handwerkstag vertritt mehr als 54.000 Handwerksbetriebe, in denen etwa 280.000 Menschen beschäftigt sind. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 36 Milliarden Euro.

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