Handwerk in Sachsen lehnt die Abschaffung von Minijobs ab

17.06.2026

Präsident Uwe Nostitz mahnt Flexibilisierung der Arbeitszeit an

Minijobs sind in vielen Handwerksbetrieben eine feste Größe. Sie abzuschaffen, wie der Sachverständigenrat der Bundesregierung unlängst vorgeschlagen hatte, wäre ein Debakel für die Branche, sagt Lars Bubnick, Geschäftsführer des Sächsischen Fleischer-Innungs-Verbandes. Minijobs ermöglichen vielen Menschen in verschiedenen Lebenssituationen einer Beschäftigung möglichst flexibel nachzugehen. So lange sich das Arbeitszeitgesetz in den starren Grenzen bewegt, wie es aktuell der Fall ist, hält er nichts von deren Abschaffung.

Auch der Sächsische Handwerkstag (SHT) lehnt die Abschaffung von Minijobs konsequent ab. „Die Unternehmer sind auf diese Arbeitnehmer angewiesen“, sagt SHT-Präsident Uwe Nostitz. „Fast jeder fünfte Betrieb musste in den vergangenen Wochen einen Personalrückgang verkraften.“ Der Handwerkstag plädiert stattdessen für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit.

643 Fleischereien gibt es aktuell im Freistaat. Das erste Quartal war für viele kein Umsatzbringer. Insbesondere der Absatz von Rindfleisch ist zurückgegangen. Seit zwei Jahren steigen die Marktpreise. Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft erreichen sie den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. „Da spürt man deutlich die Kaufzurückhaltung der Kunden“, erläutert Lars Bubnick.

Der reduzierte Mehrwertsteuersatz auf Imbissangebote und Catering – starke Umsatzfaktoren in den Fleischereien – sei eine wichtige Entlastung für die Betriebe gewesen. „Dass die Steuerersparnis nun aber in den Unternehmen verbleibt und zum Beispiel für Investitionen genutzt werden kann, wäre ein Trugschluss. Sie wird vielmehr durch die Kostensteigerungen in anderen Bereichen aufgezehrt.“

Viele Betriebe kämpfen mit hohen Sozialabgaben, Energiepreisen sowie Kosten für Bürokratie und Finanzierung. „Das spüren auch die Arbeitnehmer. Jede Lohnerhöhung wird von Kostensteigerungen aufgefressen“, sagt Uwe Nostitz. „Alles wird teurer. Die Spirale dreht sich immer weiter nach oben. Deshalb brauchen wir echte Reformen bei der Steuer und den Sozialsicherungssystemen. Vor der Sommerpause“, fordert der SHT-Präsident.

Hintergrund:

Der Sächsische Handwerkstag vertritt mehr als 54.000 Handwerksbetriebe, in denen etwa 280.000 Menschen beschäftigt sind. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 36 Milliarden Euro.

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