Hoffnung auf wirtschaftliche Trendwende schwindet
10.06.2026
Der Abwärtstrend im sächsischen Handwerk setzt sich fort. Nur noch ein Drittel der Betriebe bewertet die eigene Geschäftslage mit gut. Im Frühjahr 2019 – dem letzten Jahr ohne Krisenmodus – waren es mit 70 Prozent mehr als doppelt so viele positive Bewertungen. Betroffen sind alle Gewerke.
Mit Blick auf die kommenden Monate fehlt den Betrieben jegliche Zuversicht, dass sich die Rahmenbedingungen entscheidend ändern werden. Die Unternehmen haben von der Politik viele Ankündigungen gehört. Im Alltag konkret davon angekommen ist bislang nichts.
Das drückt auf die Erwartungshaltung. 30 Prozent rechnet in den kommenden Monaten mit schlechter laufenden Geschäften (2019: 7 Prozent). Lediglich 16 Prozent setzen darauf, dass sich die wirtschaftliche Lage ins Positive dreht.
Forderungen Sächsischer Handwerkstag (SHT)
1. Das Handwerk fordert strukturelle Veränderungen, die dringend benötigte Mittel für Investitionen freisetzen.
Deutschland braucht wirtschaftliches Wachstum. Diesem Ziel müssen sich alle Maßnahmen unterordnen – auch in Sachsen. Dabei sollte die Landesregierung mit den vorhandenen Haushaltsmitteln auskommen. Neue Schulden verleiten dazu, Reformen nicht anzufassen.
2. Freistaat muss über den Bundesrat noch mehr Druck auf Berlin ausüben.
Der Bundesregierung fehlen Entschlossenheit und Mut, das Land mit Reformen auf Kurs zu bringen. In dieser Phase kommt dem Bundesrat eine wichtige Bedeutung zu. Wie bei der Entlastungsprämie oder dem Vergabebeschleunigungsgesetz gesehen, können die Länder fehlgeleitete Vorhaben der Bundesregierung stoppen oder ändern.
3. Die Bundesregierung muss alles dafür tun, den EU-Haushaltsentwurf zu ändern.
Mit Sorge verfolgt das Handwerk die Diskussionen über den Haushaltsentwurf der EU und den Mehrjährigen Finanzrahmen. Es ist zu befürchten, dass strukturschwache Regionen ab 2028 mit weniger Geld auskommen müssen.
Die Zahl der sächsischen Handwerksbetriebe ist im letzten Jahr um rund 600 gesunken. Vor allem im ländlichen, strukturschwächeren Raum schlossen Betriebe. Wenn dann auch noch EU-Fördermittel in Größenordnung ausblieben, würde das den Prozess des leisen Unternehmenssterbens beschleunigen.
Zu den Konjunktur-Ergebnissen im Detail
Geschäftslage: 20 Prozent der Unternehmen (2019: 4 Prozent) geben an, dass ihrer derzeitige Geschäftslage schlecht ist. „Die Bauwirtschaft war früher das Zugpferd der Konjunktur. Jetzt gehört sie zu den Sorgenkindern“, sagt Andreas Brzezinski, Sprecher des Geschäftsführerkollegiums des Sächsischen Handwerkstages. Zwar steigt die Zahl der Baugenehmigungen in Sachsen. Gleichzeitig wird so wenig gebaut, wie seit zehn Jahren nicht mehr. „Die Baukosten haben sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt, die Finanzierungszinsen steigen. Je länger die Baukrise andauert, desto größer ist die Gefahr, dass sich Mitarbeiter beruflich umorientieren“, mahnt er.
Impulse für das Ausbauhandwerk liegen in der Sanierung und der Modernisierung von Gebäuden. In dem Bereich wird aber derzeit zu wenig investiert. Die Folge: Nur noch 36 Prozent (2019: 81 Prozent) der Unternehmen bezeichnen ihre Situation mit gut.
Personal: Die Handwerksbetriebe halten an ihren Mitarbeitern fest, solange es irgendwie geht. Dennoch ist der Saldo aus sinkenden (18 Prozent) und steigenden (8 Prozent) Beschäftigtenzahlen in den Unternehmen negativ.
Der Sachverständigenrat der Bundesregierung hatte unlängst den Wegfall von Minijobs ins Spiel gebracht. Das hätte für einige Handwerksbranchen große Auswirkungen. Im Lebensmittelhandwerk und bei den Gebäudereinigern sind Minijobs eine feste Größe in der Personalstruktur. „Sie ermöglichen Menschen in verschiedenen Lebenssituationen, einer Beschäftigung nachzugehen. Die Unternehmen wiederum sind auf diese Fachkräfte angewiesen. Das Handwerk lehnt die Abschaffung von Minijobs ab“, so Andreas Brzezinski.
Umsätze: 40 Prozent der Betriebe (2019: 11 Prozent) mussten in den vergangenen Monaten Umsatzrückgänge verkraften. Das Bauhauptgewerbe und die Handwerker für den gewerblichen Bedarf waren besonders betroffen. „Die Industrie schwächelt deutlich. Die Zulieferer aus dem Handwerk bekommen weniger Aufträge. Der Privatkunde kann diese Lücke aktuell nicht füllen“, erklärt Andreas Brzezinski.
Verkaufspreise: Fast die Hälfte der Unternehmen hat die Preise angehoben. Vor allem das Kfz-Gewerbe und das Lebensmittelhandwerk setzten höhere Preise am Markt durch. Das müssen die Betriebe auch angesichts von steigenden Kosten für Energie, Transport, Vorprodukte, Rohstoffe und Löhne. Gleichzeitig wird die Handwerkerleistung damit aber auch immer teurer.
Aufträge: Die Zahl der Auftragseingänge stagniert. Lediglich acht Prozent (2019: 30 Prozent) der Betriebe verzeichnen steigende Werte, ein Drittel akquiriert weniger Aufträge. An den Ausschreibungen nehmen wieder mehr Unternehmen teil, die nicht aus Ostsachsen kommen. Nach Angaben der Betriebe sind darunter auch Billiganbieter, die lange Zeit von der Bildfläche verschwunden waren. „Die öffentliche Hand muss Aufträge im Rahmen ihrer Möglichkeiten an regionale Betriebe vergeben“, fordert der SHT-Geschäftsführer.
Investition: Die Verunsicherung in den Unternehmen ist groß. Die Hälfte der Betriebe (2019: 18 Prozent) hat in den letzten Wochen weniger investiert. Etliche Unternehmen schieben einen größeren Investitionsbedarf vor sich her. Steht eine Betriebsübergabe an, kann das für einen Nachfolger in Summe zu teuer sein und er lässt es bleiben oder bekommt es nicht durchfinanziert.