Sächsisches Handwerk: Komplexe Krise baut sich auf / Bundesregierung muss dringend und umfassender handeln

23.03.2026

Rohstoffkrise bedroht mittlerweile Lieferketten / Baustoffindustrie reduziert Angebot / Spritpreise bleiben hoch / Inflationsgefahr steigt

Der anhaltende Krieg im Nahen Osten sorgt dafür, dass die Einschläge für das sächsische Handwerk näherkommen. „Hier baut sich gerade eine komplexe Krise auf. Die Bundesregierung muss jetzt mit einer Strategie reagieren, die der Komplexität der Lage gerecht wird“, sagt Uwe Nostitz, Präsident des Sächsischen Handwerkstages (SHT).

Die hohen Kosten drücken auf die Marge der Unternehmen. Gleichzeitig schwächelt die Nachfrage aus dem Privatsektor. „Die gegenwärtige Lage bedroht die wirtschaftliche Existenz nicht nur von Handwerksbetrieben. Das betrifft verschiedene Bereiche“, sagt Uwe Nostitz. 

Lieferketten: Aus der Baustoffindustrie gibt es erste Hinweise, dass das Angebot reduziert wird. So kündigte zum Beispiel ein Baustoffhersteller einen sofortigen Bestell- und Auftragsannahmestopp für ein Produkt im Dachbereich an. „Das hatten wir zuletzt zu Beginn des Ukrainekrieges“, so der SHT-Präsident. „Das sorgt für Unruhe in den Betrieben.“

Thema Spritpreise: An den Tankstellen gibt es nach wie vor keine Entspannung. „Die Bundesregierung hat zwar reagiert, doch die Maßnahmen reichen nicht aus. Wir haben keine Zeit mehr. Andere Länder machen es vor. Italien, Spanien, Österreich haben die Steuern auf Sprit gesenkt. Das erwarten wir auch von der Bundesregierung“, fordert der Diplom-Bauingenieur.

Inflation: Die Rohstoffkrise treibt die Inflation an. Der Preis für Aluminium zum Beispiel ist deutlich gestiegen. Die Handwerksunternehmen müssen diese Steigerungen umlegen. Das verteuert am Ende auch wieder die handwerkliche Leistung. „Diese Spirale ist gefährlich. Handwerk muss für einen Großteil der Bevölkerung bezahlbar bleiben“, so Uwe Nostitz.

Konjunktur: Je länger der Krieg andauert, desto komplizierter wird die Lage. Wirtschaft braucht Sicherheit und Planbarkeit. Beides ist derzeit nicht gegeben. Auch hier muss die Bundesregierung gegensteuern. „Reformen, die die Unternehmen schnell entlasten, würden etwas den Druck aus dem Kessel nehmen. Das gilt für die Bereiche Energie, Soziales und Bürokratie“, so Uwe Nostitz. „Die Versäumnisse der letzten Jahre rächen sich jetzt.“

Hintergrund:

Der Sächsische Handwerkstag vertritt mehr als 54.000 Handwerksbetriebe, in denen etwa 280.000 Menschen beschäftigt sind. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 36 Milliarden Euro.

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