Lebensmittelhandwerker: Sorgen ums Weihnachtsgeschäft

14.11.2022

Sächsischer Handwerkstag dringt angesichts von Kostenexplosionen in der Energiekrise auf rasch wirksame Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher

Mit Blick auf eine inflationsbedingt eher rückläufige Privatkunden-Nachfrage sind die Erwartungen von Sachsens Bäckern, Konditoren und Fleischern an das diesjährige Weihnachtsgeschäft überwiegend gedämpft. Denn längst nicht alle durch die aktuelle Energiekrise hervorgerufenen Preissteigerungen für Gas, Öl und Strom seien bei den Verbrauchern bislang angekommen, wie Handwerkstag-Präsident Jörg Dittrich am Montag vor der Presse in Dresden sagte.

Der seit Längerem zu beobachtende Trend zu einem offenkundigen „Lockdown im Portemonnaie“ hat Bäckern, Konditoren und Fleischern seit Jahresmitte zum Teil massive Umsatzausfälle beschert. „Geschuldet sind Umsatzeinbußen in den Betrieben des Nahrungsmittelhandwerks darüber hinaus notwendigen Einschränkungen in Produktion und Produktionssortiment, um wegen gestiegener Beschaffungs- und Energiekosten über die Runden zu kommen“, so der sächsische Handwerkspräsident.

Hinzu kommt, dass die meisten Betriebe faktisch kaum noch Spielraum sehen, um die galoppierenden Mehrkosten über höhere Preise für Produkte und Dienstleistungen an die Kunden weiterzureichen. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil vor allem Bäcker und Fleischer ohnehin in einem harten Preiswettbewerb sowohl mit dem Lebensmittel-Einzelhandel als auch mit industriellen Großanbietern stehen.

Große Sorgen bereitet es vielen Lebensmittelhandwerkern, aufgrund der gravierenden Belastungen „an mehreren Fronten“ zunehmend mit Liquiditätsschwierigkeiten konfrontiert zu sein. Dittrich: „Höhere Preise für Energie, Rohstoffe, Materialien, aber auch höhere Löhne und Sozialversicherungsbeiträge zehren an der Liquidität – dies jedoch nicht nur im Nahrungsmittelgewerbe.“ Immer mehr Betriebsinhaber fühlten sich durch den seit drei Jahren anhaltenden Dauerkrisenmodus ausgelaugt.

Um Unternehmer und Verbraucher von den Kostenexplosionen zu entlasten, fordert der Sächsische Handwerkstag generell,

  • Steuern für Energie auf das europäische Mindestmaß zu begrenzen,
  • finanzielle Überbrückungszahlungen für den Fall vorzusehen, dass Gas- und Strompreisbremse nicht schon zu Jahresbeginn 2023 wirksam werden, sowie
  • einen schnell wirksam werdenden Härtefall-Fonds für besonders bedrohte Kleinst- und Kleinbetriebe einzurichten.

Anlage

Herbst-Konjunkturbericht des sächsischen Handwerks 2022 – hier:
Auszug Lebensmittelhandwerke

Laut Herbst-Konjunkturbericht 2022 bewerten – im Bereich der Lebensmittelhandwerke – 23 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage mit gut, 42 Prozent mit befriedigend und 35 Prozent mit schlecht (Vergleich zur Herbstumfrage 2021 - gut: 45; befriedigend: 51; schlecht: 4 Prozent).

Erwartungen zur Geschäftslage für die nächsten Wochen: Mit besseren Geschäften rechnen 16, mit gleichbleibenden 58 und mit schlechteren 26 Prozent der befragten Nahrungsmittelhandwerker.

Umsätze: 48 Prozent der befragten Lebensmittelhandwerker (Herbst 2021: 60) melden bei Umsätzen gleichgebliebene Vorjahreswerte, ein Fünftel (2021: 24 Prozent) Zuwächse. 35 Prozent (2021: 20) der Betriebe verweisen jedoch auf Umsatzeinbrüche.

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