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Interview: Europaabgeordneter Hermann Winkler
Anwalt für Handwerk und
Mittelstand in der EU
Bei ihrem Arbeitsaufenthalt in der EU-„Hauptstadt“ Brüssel
Anfang Juni 2010 trafen Sachsens Handwerksvertreter auch mit
Europaabgeordneten zusammen. – In einem Interview stellte sich der
sächsische Abgeordnete Hermann Winkler (CDU), Mitglied in den Ausschüssen
für Industrie, Forschung und Energie sowie für Regionale Entwicklung, Fragen
der Handwerkspresse („Deutsche Handwerks Zeitung“ und „Deutsches
Handwerksblatt“).
Herr
Winkler, Brüssel ist Ihnen seit Jahren vertraut. Zunächst als
Landespolitiker, später als Staatskanzlei-Minister und Chef des
Sachsen-Verbindungsbüros mit EU-Themen befasst, sind Sie Mitte 2009 ins
EU-Parlament gewechselt. Was ist jetzt anders?
Die Arbeit als Mitglied des Europäischen Parlaments ist nicht
weniger spannend als die eines Politikers auf nationaler Ebene. Und doch
muss man hier viel ausdauernder, hartnäckiger sein, weil sämtliche
Entscheidungswege in Brüssel doch ziemlich lang sind. Ein weiterer
Unterschied zum Politikbetrieb daheim: Auf EU-Ebene können wir deutsche
Abgeordnete für unser Land nur dann etwas erreichen, wenn wir abseits
parteipolitischen Kalküls aufeinander zugehen und einheitliche deutsche
Auffassungen rüberbringen. Denn: Auch innerhalb der EU nehmen
Verteilungskämpfe zu, wird Geld knapper.
Europa, die Europäische Union ist – von Sachsen aus gesehen –
institutionell für viele Menschen „weit weg“. Zugleich wird nicht verkannt,
dass 80 Prozent der Verordnungen, die national umzusetzen sind, ihren
Ursprung in Brüssel haben. Wie kann EU-Politik in Deutschland noch
transparenter werden?
Ganz sicher müssen EU-Entscheidungen, auch über die Medien,
noch offensiver, kontinuierlicher vermittelt werden. Ich jedenfalls will
hierzu meinen Beitrag leisten. Zu begrüßen ist z.B. aber auch, wenn
Unternehmer – wie jetzt Vertreter des sächsischen Handwerks – nach Brüssel
kommen, um sich mit wichtigen Entscheidungsträgern der EU direkt zu
verständigen. Auch so lassen sich Informationslücken schließen, wird mehr
Transparenz bewirkt.
Haben Handwerk und Mittelstand auf der politischen Bühne der EU schon den
Stellenwert, der ihnen gebührt?
Der ist auf jeden Fall ausbaufähig. Die Leistungen kleiner und
mittlerer Unternehmen scheinen mir in der praktischen Politik noch zu wenig
gewürdigt. In kaum einem anderen EU-Mitgliedsstaat haben Handwerk und
Mittelstand einen so bedeutenden Anteil am Bruttoinlandsprodukt wie in
Deutschland. Daher habe ich mir auch zur Aufgabe gemacht, den Blick
europäischer Gremien für die Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen
nachhaltig zu schärfen.
Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Ein vorrangiges Ziel von EU-Politik muss sein, kleine und mittlere
Unternehmen wirksamer zu fördern. Sie müssen schneller und un-bürokratischer
Zugang zu EU-Fördertöpfen haben. Dazu gehört, dass Förderrichtlinien auch in
deutscher Sprache zugänglich sind. Dies kann helfen, Barrieren und
Vorbehalte von Kleinunternehmen gegenüber dem riesigen EU-Apparat abzubauen.
Einiges davon ist in einen Forderungskatalog zur Neuausrichtung der
EU-Innovationspolitik eingeflossen, den ich als Berichterstatter des
Industrieausschusses unlängst im Parlament vorgestellt habe. Ich hoffe, dass
der Bericht bis Herbst des Jahres in allen Gremien Brüssels Berücksichtigung
findet.
(Interview: Frank Wetzel) |