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Interview:
Claus Friedrich Holtmann, Ostdeutscher Sparkassenverband
Sparkassen sind stabil,
trotzen Finanzmarktkrise
Die im Oktober offen zutage getretene weltweite Krise auf den
Finanzmärkten hat zunehmend auch unter kleinen und mittleren Unternehmen aus
Handwerk und Mittelstand für Unruhe gesorgt. Nicht wenige von ihnen
befürchten etwa, als Gewerbekunden bei Kreditinstituten jetzt noch schwerer
an Kapital heranzukommen, um betriebliche Vorhaben finanzieren zu können.
Claus Friedrich Holtmann, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen
Sparkassenverbandes (OSV), äußerte sich hierzu in einem Kurzinterview für
die Handwerkspresse.
Wegen der Finanzmarktkrise sind derzeit auch viele
handwerkliche Gewerbekunden von Sparkassen verunsichert. Sind zum Beispiel
Befürchtungen einer Kreditklemme berechtigt?
Nein, solche Sorgen sind völlig unberechtigt. Sparkassen
refinanzieren sich durch das Einlagengeschäft in der Region. Im Ergebnis
verfügen sie auch in Zeiten, in denen andere Banken Geld händeringend
suchen, über ausreichend Liquidität. Übrigens auch über genügend
Eigenkapital, um weiterhin Kredite zu vergeben. Die Sparkassen im
OSV-Verbund haben in den ersten acht Monaten 2008 neue Kredite mit einem
Volumen von 1,7 Milliarden Euro vergeben, 19 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Sparkassen im Freistaat bewilligten neue Kredite mit einem Volumen von
741 Millionen Euro (+ 11,7 Prozent). Sparkassen bleiben damit auch in
Krisenzeiten die Stützpfeiler der heimischen Wirtschaft.
Was konkret empfehlen Sie Gewerbekunden, die derzeit Kapital
benötigen, um eigene Investitionen über ihre Hausbank finanzieren zu können?
Wir wollen unser Kreditgeschäft weiter ausdehnen und warten darum
auf Unternehmen mit guten und überzeugenden Konzepten. Ich kann Unternehmer
nur ermuntern, bei unseren Sparkassen vorbeizukommen und ihr Konzept
vorzustellen. Wichtig ist, dass Unternehmer ihre Investition oder ihre
Geschäftsidee nachvollziehbar darstellen. Unsere Berater helfen gerne bei
den Details.
In der Vergangenheit gab es in der Öffentlichkeit manch skeptische
Einschätzungen zur Zukunft öffentlich-rechtlicher Kreditinstitute. Sind
Sparkassen ein Auslaufmodell?
Keineswegs. Die skeptischen Einschätzungen, von denen Sie sprechen, kamen
oft von Wettbewerbern, waren interessengetrieben. Die Finanzmarktkrise hat
nun gezeigt, dass die Sparkassenidee und ihr Modell eines regional
verankerten, auf Solidität bedachten und mit der Realwirtschaft verbundenen,
gemeinwohlorientierten Kreditinstitutes hochmodern sind. Sparkassen zeigen
sich in der Krise als Hort der Stabilität. Interessanterweise bekommt die
Sparkassenorganisation derzeit viele Anfragen von Medien aus der ganzen
Welt, die sich genau für die Gründe dafür interessieren. Ich sehe eher eine
Renaissance der Sparkassenidee.
(Interview: Frank Wetzel) |