|
Interview: Sachsens Umweltminister Stanislaw
Tillich
„Umweltallianz“-Label im Marketing
aktiv nutzen
In
einer Veranstaltung zum 10-jährigen Bestehen des Umwelt- und
Transferzentrums der Handwerkskammer zu Leipzig wurden Anfang Juli 2005 in
Trebsen (Muldentalkreis) vier weitere Unternehmen in die „Umweltallianz
Sachsen“ aufgenommen. Damit beteiligen sich an der seit 1998 bestehenden
freiwilligen Vereinbarung zwischen Wirtschaft und Landespolitik für
eigenverantwortlichen Umweltschutz (siehe Info-Kasten) jetzt 431 Teilnehmer.
Im Gespräch für die Landesredaktionen von „Deutscher Handwerks Zeitung“ und
„Deutschem Handwerksblatt“ zog Sachsens Umwelt- und Agrarminister Stanislaw
Tillich eine Zwischenbilanz und äußerte sich zu weiteren Themen.
Nach Bayern und Hessen liegt Sachsen bei
Umweltpartnerschaften bundesweit auf dem dritten Platz. Mehr als 4.800
Unternehmen gehören dem bayerischen Umweltpakt an, der seit 1995 besteht.
Fällt demgegenüber das sächsische Ergebnis nicht ein bisschen mickrig aus?
Nein. Und
zwar schon deshalb nicht, weil Bayern nicht nur flächenmäßig, sondern auch
von der Bevölkerung her größer als Sachsen ist. Zudem sind in Bayern auch
viel mehr Unternehmen ansässig, die als Umweltpakt-Teilnehmer in Frage
kommen. Schließlich muss sich Gutes auch erst herumsprechen. Allein 2004
stießen 100 neue Betriebe zur sächsischen „Umweltallianz“ hinzu. Fürs
laufende Jahr hoffen wir, die 500er-Marke zu überschreiten. Und doch wird es
uns wohl nicht gelingen, Bayern auf diesem Gebiet einzuholen.
Bei der „Umweltallianz Sachsen“ hat sich der Anteil sächsischer
Handwerksbetriebe seit 2003 deutlich auf gut 70 % erhöht. Lässt sich daraus
schlussfolgern, dass der Pakt z.B. für Industrieunternehmen nicht so
lukrativ ist?
Die Industrieunternehmen haben bislang eher andere Zertifizierungsvorhaben
als vordergründig und markt-konform angesehen. Nach meiner Einschätzung
setzt sich aber auch hier die Erkenntnis durch, dass man gerade auf dem
hiesigen Markt – ergänzend etwa zu den Managementsystemen ISO 9.000 bzw. ISO
14.001 – mit dem Label „Umweltallianz“ ganz gut Marketing machen kann, denn
große Unternehmen steigen jetzt stärker ein. Ich bin sicher, dass wir noch
dieses Jahr einige große sächsische Unternehmen in die „Umweltallianz“
aufnehmen werden.
Seit 2003 gelten bei der „Umweltallianz“ einige Neuerungen - wie die
Würdigung indirekter Umweltleistungen, wenn etwa Bildungseinrichtungen
Umweltmanagement bereits in die Ausbildung künftiger Führungskräfte
einbeziehen. Inwiefern haben sich diesbezüglich Ihre Erwartungen erfüllt?
Ich
denke, dass wir mit den Neuerungen generell die Voraussetzungen dafür
geschaffen haben, die Attraktivität für eine Teilnahme an der
„Umweltallianz“ zu erhöhen. – Unabhängig davon müssen wir von politischer
Seite gegenüber den teilnehmenden Unternehmen noch ein Versprechen einlösen.
Es geht um Gebührenermäßigungen für unweltschutzrelevante
Verwaltungsvorgänge bei Unternehmen und Organisationen, die nach EMAS
registriert sind. Mit Wirtschaftsminister Thomas Jurk bin ich mir einig,
dass hier – nach Rücksprache mit dem Finanzminister – möglichst noch in
diesem Jahr etwas Konkretes passiert.
Ein Kernsatz sächsischer Umweltpolitik lautet: Weg von Gesetzen und
Verordnungen – hin zu mehr Eigenverantwortung und Freiwilligkeit! Trotzdem
fragt sich mancher, ob dieser Ansatz prinzipiell sinnvoll ist. So sind etwa
die Schornsteinfeger überzeugt, dass Kunden bei einer Marktöffnung mit
Qualitätsverlusten, Rechtsunsicherheit und Mehrkosten rechnen müssen. Wie
sehen Sie das?
Die
Befürchtungen scheinen mir zumindest nicht unbegründet. Bislang gibt es ein
gewisses Vertrauens- und Vertragsverhältnis zwischen Kunden und jeweils
zuständigem Schornsteinfegermeister. Auf diese Weise haben sich über lange
Zeit Kontakte entwickelt, die für beide Seiten von Nutzen waren. Denn der
Schornsteinfeger hat durch die Betreuung eines bestimmten Marktteilnehmers
über Jahre hinweg ein Hintergrundwissen erlangt, das ein neu auftauchender
Anbieter gar nicht haben kann. Wenn Kunden aber nunmehr im Zuge der
Liberalisierung nur noch nach dem billigsten Anbieter schielen und auf
fachliche Beratung verzichten, laufen sie bei Sicherheitskontrollen in der
Tat Gefahr, am Ende draufzuzahlen. In diesem Sinne verstehe ich auch die
Bedenken der Schornsteinfeger, bei denen bislang alles in einer Hand liegt.
Das klingt fast danach, als hätten Sie in jüngster Zeit persönlich selbst
entsprechende Erfahrungen gemacht…
Das ist so. Ich hatte zu Hause gerade eine Kontrolle des TÜV über die
vollständige und ordnungsgemäße Installation meiner Heizungsanlage. Es gab
keine Beanstandungen. Also muss der Handwerksbetrieb ordentliche Arbeit
geleistet haben, so dass ich mich nur lobend äußern kann. Aber ich kenne aus
meinem Bekanntenkreis auch andere, wenig erfreuliche Beispiele mit
Handwerkern aus diesem Bereich.
(Gespräch: Frank Wetzel)
|