„Umweltallianz Sachsen“: Minister Stanislaw Tillich zieht Zwischenbilanz
  Bei einer Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Umwelt- und Transferzentrums der Handwerkskammer zu Leipzig wurden Anfang Juli 2005 in Trebsen (Muldentalkreis) vier weitere Handwerksbetriebe in die „Umweltallianz Sachsen“ aufgenommen. Am Rande des Treffens zog Umwelt- und Agrarminister Stanislaw Tillich (CDU) in einem Interview für die Handwerkspresse eine Zwischenbilanz des Umweltpakts im Freistaat.

  Veröffentlicht wurde der Beitrag in der Ausgabe Nr. 15-16/2005 der „Deutschen Handwerks Zeitung“ (DHZ) am 5. August sowie in der Ausgabe Nr. 15/2005 des „Deutschen Handwerksblatts“ (DHB) am 11. August. 

Wir dokumentieren hiermit den Wortlaut des Interviewtextes:

Interview: Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich

„Umweltallianz“-Label im Marketing aktiv nutzen  

  In einer Veranstaltung zum 10-jährigen Bestehen des Umwelt- und Transferzentrums der Handwerkskammer zu Leipzig wurden Anfang Juli 2005 in Trebsen (Muldentalkreis) vier weitere Unternehmen in die „Umweltallianz Sachsen“ aufgenommen. Damit beteiligen sich an der seit 1998 bestehenden freiwilligen Vereinbarung zwischen Wirtschaft und Landespolitik für eigenverantwortlichen Umweltschutz (siehe Info-Kasten) jetzt 431 Teilnehmer. Im Gespräch für die Landesredaktionen von „Deutscher Handwerks Zeitung“ und „Deutschem Handwerksblatt“ zog Sachsens Umwelt- und Agrarminister Stanislaw Tillich eine Zwischenbilanz und äußerte sich zu weiteren Themen.

  Nach Bayern und Hessen liegt Sachsen bei Umweltpartnerschaften bundesweit auf dem dritten Platz. Mehr als 4.800 Unternehmen gehören dem bayerischen Umweltpakt an, der seit 1995 besteht. Fällt demgegenüber das sächsische Ergebnis nicht ein bisschen mickrig aus?

  Nein. Und zwar schon deshalb nicht, weil Bayern nicht nur flächenmäßig, sondern auch von der Bevölkerung her größer als Sachsen ist. Zudem sind in Bayern auch viel mehr Unternehmen ansässig, die als Umweltpakt-Teilnehmer in Frage kommen. Schließlich muss sich Gutes auch erst herumsprechen. Allein 2004 stießen 100 neue Betriebe zur sächsischen „Umweltallianz“ hinzu. Fürs laufende Jahr hoffen wir, die 500er-Marke zu überschreiten. Und doch wird es uns wohl nicht gelingen, Bayern auf diesem Gebiet einzuholen. 

  Bei der „Umweltallianz Sachsen“ hat sich der Anteil sächsischer Handwerksbetriebe seit 2003 deutlich auf gut 70 % erhöht. Lässt sich daraus schlussfolgern, dass der Pakt z.B. für Industrieunternehmen nicht so lukrativ ist?

  Die Industrieunternehmen haben bislang eher andere Zertifizierungsvorhaben als vordergründig und markt-konform angesehen. Nach meiner Einschätzung setzt sich aber auch hier die Erkenntnis durch, dass man gerade auf dem hiesigen Markt – ergänzend etwa zu den Managementsystemen ISO 9.000 bzw. ISO 14.001 – mit dem Label „Umweltallianz“ ganz gut Marketing machen kann, denn große Unternehmen steigen jetzt stärker ein. Ich bin sicher, dass wir noch dieses Jahr einige große sächsische Unternehmen in die „Umweltallianz“ aufnehmen werden. 

  Seit 2003 gelten bei der „Umweltallianz“ einige Neuerungen - wie die Würdigung indirekter Umweltleistungen, wenn etwa Bildungseinrichtungen  Umweltmanagement bereits in die Ausbildung künftiger Führungskräfte einbeziehen. Inwiefern haben sich diesbezüglich Ihre Erwartungen erfüllt?

  Ich denke, dass wir mit den Neuerungen generell die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, die Attraktivität für eine Teilnahme an der „Umweltallianz“ zu erhöhen. – Unabhängig davon müssen wir von politischer Seite gegenüber den teilnehmenden Unternehmen noch ein Versprechen einlösen. Es geht um Gebührenermäßigungen für unweltschutzrelevante Verwaltungsvorgänge bei Unternehmen und Organisationen, die nach EMAS registriert sind. Mit Wirtschaftsminister Thomas Jurk bin ich mir einig, dass hier – nach Rücksprache mit dem Finanzminister – möglichst noch in diesem Jahr etwas Konkretes passiert.

  Ein Kernsatz sächsischer Umweltpolitik lautet: Weg von Gesetzen und Verordnungen – hin zu mehr Eigenverantwortung und Freiwilligkeit! Trotzdem fragt sich mancher, ob dieser Ansatz prinzipiell sinnvoll ist. So sind etwa die Schornsteinfeger überzeugt, dass Kunden bei einer Marktöffnung mit Qualitätsverlusten, Rechtsunsicherheit und Mehrkosten rechnen müssen. Wie sehen Sie das?

  Die Befürchtungen scheinen mir zumindest nicht unbegründet. Bislang gibt es ein gewisses Vertrauens- und Vertragsverhältnis zwischen Kunden und jeweils zuständigem Schornsteinfegermeister. Auf diese Weise haben sich über lange Zeit Kontakte entwickelt, die für beide Seiten von Nutzen waren. Denn der Schornsteinfeger hat durch die Betreuung eines bestimmten Marktteilnehmers über Jahre hinweg ein Hintergrundwissen erlangt, das ein neu auftauchender Anbieter gar nicht haben kann. Wenn Kunden aber nunmehr im Zuge der Liberalisierung nur noch nach dem billigsten Anbieter schielen und auf fachliche Beratung verzichten, laufen sie bei Sicherheitskontrollen in der Tat Gefahr, am Ende draufzuzahlen. In diesem Sinne verstehe ich auch die Bedenken der Schornsteinfeger, bei denen bislang alles in einer Hand liegt.

  Das klingt fast danach, als hätten Sie in jüngster Zeit persönlich selbst entsprechende Erfahrungen gemacht…     

  Das ist so. Ich hatte zu Hause gerade eine Kontrolle des TÜV über die vollständige und ordnungsgemäße Installation meiner Heizungsanlage. Es gab keine Beanstandungen. Also muss der Handwerksbetrieb ordentliche Arbeit geleistet haben, so dass ich mich nur lobend äußern kann. Aber ich kenne aus meinem Bekanntenkreis auch andere, wenig erfreuliche Beispiele mit Handwerkern aus diesem Bereich.

(Gespräch: Frank Wetzel)

Das aktuelle Stichwort
Umweltallianz

  Die seit 1998 bestehende „Umweltallianz Sachsen“ – eine freiwillige Vereinbarung zwischen Wirtschaft und Landespolitik – will eigenverantwortlichen Umweltschutz in Unternehmen und Einrichtungen fördern. Die Palette reicht von der freiwilligen Einführung von Managementsystemen (z.B. EMAS und DIN ISO 14001) über Maßnahmen für verbesserten Gewässerschutz und Energieeinsparung bis hin zu Beiträgen umweltgerechter Mobilität. Im Gegenzug verpflichtet sich die  Landesregierung, Belastungen für Unternehmen zu reduzieren und Verwaltungsvorgänge zu vereinfachen.

  Mit der Teilnahme an der Umweltallianz erschließen sich für Unternehmen Möglichkeiten, ihr Engagement öffentlichkeitswirksam darzustellen. Geprüfte Unternehmen können mit dem Logo der Umweltallianz werben und werden unter www.smul.sachsen.de, Rubrik „Umweltallianz Sachsen“, publiziert. Vorrangige Ziele der Umweltallianz sind, Umwelt und natürliche Ressourcen für eine nachhaltige Entwicklung zu schützen sowie den Wirtschaftsstandort Sachsen durch effektive und effiziente Lösungen für den Umweltschutz zu stärken.