Sachsens erster SPD-Wirtschaftsminister äußert sich zu handwerkspolitischen Themen
   Knapp sechs Wochen nach seiner Berufung als sächsischer Ressortchef für Wirtschaft und Arbeit ins CDU-SPD-Kabinett von Ministerpräsident Prof. Dr. Georg Milbradt (CDU) äußert sich der Sozialdemokrat Thomas Jurk in einem Kurzinterview für die Handwerkspresse Sachsens erstmals zu Fragen von handwerkspolitischem Rang.
   Veröffentlicht wurde der Beitrag in der Ausgabe Nr. 24/2004 des „Deutschen Handwerksblatts“ am 23. Dezember 2004 bzw. in der Ausgabe Nr. 01-02/2005 der „Deutschen Handwerks Zeitung“ am 21. Januar 2005.

Wir dokumentieren den Wortlaut des Interviewtextes:

Interview: Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk

Mittelstand und Handwerk mehr Spielraum lassen

   Mit Thomas Jurk (42) hat seit Mitte November 2004 in Sachsen erstmals seit 1990 ein Wirtschaftsminister mit SPD-Parteibuch das Sagen. In einem Interview für die Sachsen-Redaktionen von „Deutschem Handwerksblatt“ und „Deutscher Handwerks Zeitung“ äußerte sich der gelernte Funkmechaniker aus dem ostsächsischen Weißkeißel zu aktuellen Themen.

   Was, Herr Minister, wird sich konkret fürs Handwerk ändern, was wollen Sie im Interesse des Handwerks politisch fortsetzen?

   Bewährt hat sich, dass Sachsen im Vergleich zu anderen Ländern seit Jahren eine der höchsten Investitionsquoten im Landeshaushalt ausweist. Diesen Weg wollen wir konsequent weiter gehen. Ebenso halte ich Initiativen zum Bürokratieabbau im Freistaat und auf Bundesebene solche wie den Masterplan Bürokratieabbau für den richtigen Weg. Bürokratische Hürden müssen dort abgebaut, Verwaltungsabläufe dort vereinfacht werden, wo sie unnötig unternehmerischen Spielraum behindern.

   Was die Suche nach „Leuchttürmen“ betrifft, so dürfen wir uns dadurch nicht den Blick auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen verstellen. In ihnen steckt mehr innovatives Potenzial als die meisten denken. Um dieses Potenzial stärker zu erschließen, hat die SPD im Koalitionsvertrag ein zusätzliches Programm „Regionales Wachstum“ durchgesetzt. Dadurch stehen zur Förderung mittelständischer Initiativen in den kommenden beiden Jahren jeweils zusätzlich 10 Millionen Euro bereit.

   Dass die dünne Eigenkapitaldecke für viele kleine und mittlere Firmen ein „wesentliches Wachstumshemmnis“ ist, räumen auch die Regierungskoalitionäre von CDU und SPD ein. Wie kann, wie soll den betreffenden Unternehmen geholfen werden?

   Ich sehe diese Entwicklung mit wachsender Sorge, denn ohne Eigenkapital kann ein Unternehmen nicht wachsen. Vor allem einige Großbanken haben sich in den vergangenen Jahren aus der Verantwortung gestohlen. Die will ich wieder ins Boot holen. Unabhängig davon bietet Sachsen eine Fülle von Hilfen, etwa die Bürgschaft ohne Bank oder das spezielle Wachstumsprogramm „Gründungs- und Wachstumsfinanzierung“. Zudem ermöglicht die Kreditanstalt für Wiederaufbau seit März 2004 kleinen und mittleren Firmen, mit dem Programm „Unternehmerkapital“ eigenkapitalähnliche Finanzierungsinstrumente wie Nachrangdarlehen flexibel zu nutzen.
   Dass es für Unternehmer trotzdem nicht leicht ist, weiß ich. Neu auflegen werden wir daher einen Wachstumsfonds für innovative und wachstumsstarke Mittelständler. Damit steht in den nächsten Jahren zusätzliches Beteiligungskapital von mindestens 30 Millionen Euro bereit.

   Angesichts unverminderter Steuer- und Abgabenlast und hohen Bürokratieaufwands fühlen sich viele Handwerker von der Politik der rot-grünen Bundesregierung verschaukelt. Inwiefern kann ein sächsischer SPD-Wirtschaftsminister im Interesse von Mittelstand und Handwerk bundespolitisch Akzente setzen?

   Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft. Dieser Satz gilt in Sachsen mit seiner traditionell hohen Handwerkerdichte mehr als irgendwo sonst. Insofern werde ich meinen „guten Draht“ nach Berlin nutzen, um mich auch auf Bundesebene für die kleinen und mittleren Unternehmen stark zu machen. Über den Bundesrat will ich mitwirken, die rechtlichen Rahmenbedingungen und das unternehmerische Umfeld für den Mittelstand zu verbessern.

   Im Übrigen ist es schlichtweg falsch, dass in Berlin die Nöte der Mittelständler nicht ernst genommen würden. Denken Sie doch nur an die Mittelstandsoffensive der Bundesregierung. Oder an die Steuerreform, mit der auch mittelständische Unternehmen ab 1. Januar 2005 um Milliarden Euro entlastet werden.

(Gespräch: Frank Wetzel)