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Positionspapier des sächsischen Handwerks für die
Landtagsabgeordneten des Freistaates Sachsen
anlässlich des
Parlamentarischen Abends
am 31. August 2010 in Dresden
Sachsen spart - was bleibt fürs
Handwerk?
Mit 59.000 Betrieben, 420.000 Arbeitsplätzen und 18.300
Lehrlingen im Freistaat Sachsen ist „Das Handwerk. Die
Wirtschaftsmacht. Von Nebenan.“. Mit seiner breiten Palette an
Berufen, den hochqualifizierten Beschäftigten und der starken
Ausrichtung auf Aus- und Weiterbildung ist das Handwerk ein großer,
verlässlicher und zugleich regional verankerter Wirtschaftspartner.
Die Auswirkungen der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise und der
demografischen Entwicklung haben für die Zukunft einen starken
Einfluss auf die politische und wirtschaftliche Lage des
Freistaates.
Sachsen spart - was bleibt im
Portemonnaie?
Stichwort: Steuern und Abgaben. Unternehmer und
Arbeitnehmer sind durch hohe Steuern und Abgaben belastet. Das
Handwerk ist durch die steile Progression im unteren und mittleren
Einkommensbereich („Mittelstandsbauch“) besonders betroffen. Darüber
hin-aus belasten steigende Sozialabgaben Betriebe und Arbeitnehmer
gleichermaßen. Die Einführung des Gesundheitsfonds hat vor allem in
Sachsen zu einer starken Erhöhung der Krankenkassenbeiträge geführt.
Die hohen Steuern und Sozialversicherungsabgaben wirken sich negativ
auf den Arbeitsmarkt und die Kaufkraftentwicklung aus. Weiter
steigende Lohnnebenkosten begünstigen Schwarzarbeit und schmälern
die Kaufkraft.
Das Handwerk fordert eine
Beseitigung der steilen Progression im unteren und mittleren
Einkommensbereich sowie eine Absenkung der Abgaben für die
Sozialversicherungszweige auf deutlich unter 35 %.
Stichwort: Rundfunkgebühren. Die aktuelle Finanzie-rung
des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch eine gerätebezogene
Gebühr ist veraltet und führt schon heute zu Ungerechtigkeiten. Die
aktuellen Pläne zur Reform der Rundfunkgebühren verschärfen diese
Situation noch. Die vorgesehenen Beitragsstaffelungen nach
Beschäftigten pro Betrieb und die Gebührenpflicht für alle
Betriebsstätten eines Unternehmens führen zu massiver Mehrbelastung
im Handwerk.
Das Handwerk fordert eine faire
Rundfunkgebühr. Eine überproportionale Belastung vor allem für
kleine Handwerksbetriebe sowie bei Firmenfahrzeugen und Vorführwagen
muss verhindert werden.
Sachsen spart - was bleibt an
Fachkräften?
Stichwort: Duale Ausbildung. Die Anforderungen der
Arbeitswelt an die Menschen steigen. Für den Wertschöpfungsprozess
eines Unternehmens sind qualifizierte Mitarbeiter von großer
Bedeutung. Die Ausbildung in der Wirtschaft ist die Basis für eine
nachhaltige Fachkräfteentwicklung. Das Lernen in beruflichen
Situationen ermöglicht die schnellsten Lernfortschritte und fördert
eine Identität mit dem Beruf. Teamarbeit, der Umgang mit den Kunden
und das Kennenlernen modernster Techniken sind zwingende
Voraussetzung für die Ausübung eines Handwerksberufes. Dies alles
kann nur durch die duale Ausbildung geleistet werden.
Das Handwerk fordert die Stärkung
der dualen Ausbildung mit den Lernorten Schule und Betrieb
einschließlich der überbetrieblichen Lehrlingsunter-weisung.
Stichwort: Ausbildungsreife. Die Klagen von Betrieben und
Ausbildern über mangelnde Ausbildungsreife unserer jungen Menschen
nehmen deutlich zu. Immer mehr Jugendlichen fehlen erforderliche
Basiskompe-tenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen, bei
Pünktlichkeit, Respekt und Toleranz.
Das Handwerk fordert einen
wirtschaftsnahen Unterricht in Schulen, differenzierte
Förderangebote sowohl für leistungsschwächere als auch für
leistungsstarke Schüler sowie das frühzeitige Kennenlernen der
Arbeitswelt im Rahmen einer praxisnahen Berufsorientierung. Das
Übergangssystem von der Schule in die Ausbildung mit einer
unübersehbaren Fülle an Maßnahmen muss auf weniger, dafür aber
passgenauere Maßnahmen reduziert werden.
Sachsen spart - was bleibt an
Fördermitteln?
Stichwort: Mittelstandsrichtlinien. Im Februar 2010 hat
das Sächsische Wirtschaftsministerium die Fördersätze im Bereich der
Mittelstandsförderung reduziert. Derzeit befinden sich die zum
Jahresende 2010 auslaufenden Mittelstandsrichtlinien in
Überarbeitung. Im Rahmen der sächsischen Mittelstandsförderung wurde
und wird eine erhebliche Hebelwirkung zur Sicherung und Schaffung
von Arbeitsplätzen in KMU erzielt, weil diese unmittelbar und direkt
den Unternehmen zugutekommt.
Das Handwerk fordert die konsequente
Beachtung der Kleinteiligkeit sowie der begrenzten finanziellen
Leistungsfähigkeit des sächsischen Handwerks bei der Ausgestaltung
der Programme der sächsischen Mittelstandsförderung. Die geplanten
Veränderungen sind im Vorfeld mit der Wirtschaft abzustimmen. Die
Förderung von Handwerksbetrieben bei Messeteilnahmen im Inland, die
Förderung der Kurzberatungen durch organisationseigene
Be-triebsberater bei Kammern und Verbänden sowie die Förderung der
überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung bleiben unverzichtbar. Die
notwendige Finanzierung durch den Freistaat Sachsen muss
sichergestellt werden.
Stichwort: EU-Strukturfondsförderung ab 2014. Im aktuellen
Förderzeitraum bis 2013 erhält der Freistaat Sachsen 4 Milliarden
Euro aus den Strukturfonds der Europäischen Union. „Mehr Wachstum
und Beschäftigung für Sachsen“ lautet die Überschrift für den
Einsatz dieser umfangreichen Mittel. Mit der Förderung sollen die
Bereiche gestärkt werden, in denen die größtmöglichen Effekte für
Wachstum und Beschäftigung erzielt werden können.
Das Handwerk fordert für die nächste
EU-Strukturfonds-Förderperiode ab 2014 die Weiterführung der
Förderung und eine stärkere Berücksichtigung des Bedarfs der
Handwerksbetriebe ein. Die EU-Mittel müssen für die Förderung der
Wirtschaftsentwicklung genutzt werden.
Sachsen spart - was bleibt an Aufträgen?
Stichwort: Kommunalfinanzen. Die Finanzsituation der
sächsischen Kommunen und Landkreise entwickelt sich dramatisch.
Gleichwohl besteht in vielen Städten und Gemeinden ein erheblicher
Investitions- und Sanierungsstau. Eine steigende Zahl von nicht
genehmigungsfähigen Haushalten, Auflagen durch die Landesdirektionen
und stark sinkende öffentliche Investitionen sind an der
Tagesordnung. Diese Entwicklungen setzen viele qualifizierte
Arbeitsplätze im Handwerk aufs Spiel und beeinträchtigen die
Handlungsfähigkeit von Kommunen.
Das Handwerk fordert die nachhaltige
Sicherung der Handlungsfähigkeit der Kommunen. Dazu sind eine Reform
der Gemeindefinanzierung, ein intelligenter Fördermitteleinsatz
sowie eine echte Privatisierung kommunaler Unternehmen und
Leistungen, die nicht unmittelbar der Daseinsvorsorge dienen,
erforderlich.
Stichwort: Verkehrsinfrastruktur. Für die wirtschaftliche
Entwicklung sind leistungsfähige Straßen-, Schienen-, Wasser- und
Luftverkehrsverbindungen notwendig. Die sächsischen Metropolen und
die Regionen müssen noch besser mit den anderen deutschen und
europäischen Regionen verbunden werden, das gilt auch für die
verkehrliche Erschließung in den ländlichen Räumen.
Das Handwerk fordert den weiteren
Ausbau der sächsischen Verkehrsinfrastruktur. Ausreichende Mittel
für Instandhaltung, Sanierung und Beseitigung von Schäden an Straßen
sind bereitzustellen.
Sachsen spart - was bleibt an
Sicherheit?
Stichwort: Sicherheit. Eine steigende Zahl von
Eigentumsdelikten (Diebstahl, Einbruch) in den Grenzregionen
verunsichert nicht nur die Menschen in Grenznähe zu Tschechien und
Polen und verursacht hohe finanzielle Schäden. Durch diese Situation
entsteht bei den Hand-werksbetrieben ein erheblicher Mehraufwand für
den Schutz gegen Kriminalität.
Das Handwerk fordert, die Sicherheit
im Freistaat nachhaltig zu verbessern. Die Politik ist gefordert,
insbesondere die Kommunikation zwischen deutscher und
polnischer/tschechischer Seite zu verbessern und ein wirksames
Agieren der Polizei zu sichern.
Sachsen spart - was bleibt an
Gerechtigkeit?
Stichwort: Bauforderungssicherungsgesetz. Das
Bauforderungssicherungsgesetz (BauFordSiG) steht wieder verstärkt in
der Diskussion. Vor allem die Bauindustrie drängt auf eine
Abschaffung gerade derjenigen Regelungen, die zum Schutze der
Subunternehmer und damit der kleinen und mittelständischen
Handwerksbetriebe eingeführt wurden. Der nun vorliegende Entwurf des
Bundesbauministeriums schwächt vor allem den Schutz von
Handwerksunternehmen. Darüber hinaus sind wichtige Verbesserungen
bei der gerichtlichen Durchsetzung von Ansprüchen (erleichterter
Erlass eines Teil- und Vorbehaltsurteils) noch nicht in Kraft
gesetzt worden, obwohl es hierzu allgemein anerkannte Vorschläge
gibt. Das Handwerk fordert die Beibehaltung des
Bauforderungssicherungsgesetzes sowie die Änderung des
Prozessrechts, mit dem der Erlass von Teil- und Vorbehalts-urteilen
erleichtert wird.
Das Handwerk fordert außerdem die
Einberufung der Arbeitsgruppe „Zahlungsmoral“ beim Sächsischen
Justizminister.
Dresden, 31. August 2010 |