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Positionspapier des sächsischen Handwerks für die
Landtagsabgeordneten des Freistaates Sachsen
anlässlich des
Parlamentarischen Abends
am 9. September 2008 in Dresden
Das Handwerk – eine Wirtschaftsmacht im Freistaat!
Die Entwicklung des Handwerks in Sachsen spricht für sich:
insgesamt 58.000 Unternehmen, über 300.000 Arbeitnehmer und rund
22.600 Lehrlinge zeugen von der Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges
für Wertschöpfung, Ausbildung und die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Vertreter aus Politik und Verwaltung sind gleichermaßen gut beraten,
Reformen so zu gestalten, dass die Entwicklung des Handwerks nicht
gebremst, sondern unterstützt und gefördert wird – dies gilt für die
Landes- als auch für die Bundesebene. Eine nachhaltige Entwicklung
kann nur durch nachhaltige Reformpolitik erreicht werden.
Forderungen auf Landesebene
Wirtschafts- und Energiepolitik
Nachhaltige Energiepolitik – aber nicht zu Lasten der
Betriebe!
Sachsen braucht eine Energiestrategie unter Einbeziehung der
Braunkohle und aller Formen moderner Energiegewinnung. Die Sicherung
der energetischen Basis für die Wirtschaft fordert den Staat,
hinsichtlich der Prüfung und Ausschöpfung der Möglichkeiten die
Preisspirale für Erhöhungen von Energie- und Gaspreisen zu stoppen.
Darüber hinaus gilt es mittelfristig, Energieerzeugung und Transport
über die Netze zu trennen und damit den Spielraum für
Monopolpreisbildung zu vermindern.
Haushalts- und Finanzpolitik verantwortungsvoll
weiterführen!
Im Rahmen des Doppelhaushaltes 2009/2010 ist die
Weiterführung einer nachhaltigen Haushaltspolitik anzustreben. Eine
hohe Investitionsquote sowie die Sicherung der Finanzkraft der
Kommunen ist wichtiger Eckpfeiler für die Entwicklung der
Wirtschaft.
Technologieförderung stärken!
Sachsen benötigt eine Technologieförderung, die der
Wirtschaftsstruktur Rechnung trägt und die Zusammenarbeit mit
Universitäten und Hochschulen verbessert. Neben Hilfen für neue
Produkte kommt der Vermittlung des Technologietransfers eine
zentrale Bedeutung zu. Darüber hinaus sind wirtschaftsnahe
Forschungseinrichtungen zu stärken!
Betriebsnachfolgen sichern!
In Sachsen stehen in den nächsten Jahren zahlreiche
Betriebsübergaben an. Nur erfolgreiche Übergaben sichern
Arbeitsplätze! Die Finanzierung der Übernahmen mittels Bürgschaften
sind eine tragende Säule dieses Prozesses und sollten daher
passgenau und fallbezogen gewährt werden.
Bürokratie und Schwarzarbeit verhindern!
Die Kontrollen gegen Schwarzarbeit sind effizient
weiterzuführen. Das Sächsische Ladenöffnungsgesetz ist in Bezug auf
die Feiertagsregelung ein Musterbeispiel für Überregulierung und
bedarf dringender Änderung.
Strukturpolitik
Keine Verzögerungen beim Infrastrukturausbau!
Geplante Autobahn- und Schienenverkehrsprojekte sind weitaus
schneller zu realisieren, insbesondere der schon viel zu lang
verzögerte Ausbau der A 72 von Chemnitz nach Leipzig sowie der
vierspurige Ausbau der B 169 zwischen der Stadt Riesa und der
Auffahrt auf die A 14. Periphere Gebiete sind stärker an die
einzelnen Wirtschaftsstandorte einzubinden.
Strukturpolitik handwerksnah gestalten!
Die Ausrichtung der Operationellen Programme des ESF und
EFRE muss zielgenau erfolgen. Die im Rahmen der
Strukturfondsförderperiode zur Verfügung stehenden Mittel müssen
konsequent zur Stärkung des Wirtschaftsbereiches Handwerk eingesetzt
werden – für Innovationen, Investitionen, Markterschließung sowie
die Entwicklung von Humankapital.
Gewerbe im ländlichen Raum stärken!
Die für den ländlichen Raum zur Verfügung stehenden Mittel
sollten mit besonderer Priorität zur Entwicklung der gewerblichen
Wirtschaft und speziell des Handwerks als Stabilisatoren dieser
Regionen eingesetzt werden. Der ländliche Raum kann nur mit einer
gesunden Mischung aus Landwirtschaft und gewerblicher Wirtschaft
überlebens- und wettbewerbsfähig werden.
Öffentliches Auftragswesen handwerksfreundlich gestalten!
Das Handwerk fordert die Beibehaltung handwerks- und
mittelstandsfreundlicher Regelungen im Rahmen der Novellierung der
VOL/VOB. Leistungen sind grundsätzlich in Teil- und Fachlosen
auszuschreiben und zu vergeben, um eine gleichberechtigte Mitwirkung
des Handwerks und Mittelstandes am Vergabegeschehen zu sichern. Die
Anwendung des Sächsischen Vergabegesetzes durch die Kommunen ist zu
kontrollieren.
Bildungspolitik
Schulabbrecherquote senken!
Die Qualität der schulischen Ausbildung ist nachhaltig zu
verbessern und damit die Chancen Jugendlicher auf dem Ausbildungs-
und Arbeitsmarkt zu erhöhen. Schüler benötigen eine zielgenaue
Förderung und Begleitung im Rahmen der vertieften Berufsorientierung
und Berufsvorbereitung. Der Anteil der Schüler ohne Schulabschluss
muss deutlich gesenkt werden.
Fachkräftenachwuchs sichern – Vorrang der dualen
Ausbildung!
Sowohl im Rahmen des Nationalen Paktes für Ausbildung und
Fachkräftenachwuchs als auch auf Landesebene sollte die Vermittlung
in das duale System Vorrang genießen. Bedeutsam ist dabei die
Einführung eines systematischen, flächendeckenden und an den
objektiven Bedürfnissen des regionalen Arbeitsmarktes orientierten
Angebotes praxisbezogener Maßnahmen der Berufsorientierung an
sächsischen Mittelschulen und Gymnasien mit Unterstützung der
Wirtschaft!
Bildungssystem durchlässiger machen!
Das Sächsische Hochschulgesetz sollte nach dem Vorbild
anderer Bundesländer so geändert werden, dass Handwerksmeistern der
Zugang zu einem Hochschulstudium offen steht. Außerdem sollten
bereits erworbene Qualifikationen der beruflichen Bildung im Rahmen
des Hochschulstudiums anerkannt werden.
EU-Politik Die Zusammenarbeit kleinerer und mittlerer
Handwerksunternehmen ist auf internationaler Ebene besonders zu
fördern!
Der von der EU beschlossene small business act sollte
umgehend und ohne weitere Zeitverzögerung umgesetzt werden. Wichtige
Bereiche der Zusammenarbeit dabei sind die Vereinfachung von Rechts-
und Verwaltungsvorschriften, die Stärkung des technologischen
Potentials der kleinen Unternehmen sowie die Sicherung des
Fachkräftebedarfs. Die regelmäßige Bewertung europäischer und
nationaler KMU-Maßnahmen ist Grundvoraussetzung.
Forderungen auf Bundesebene
Finanz- und Steuerpolitik
Einkommensteuer kaufkraftfreundlicher gestalten!
Eingangs- und Spitzensteuersätze müssen weiter abgesenkt
werden. Darüber hinaus muss die Progressionskurve wesentlich flacher
verlaufen, um insbesondere die mittleren Einkommen zu stärken! Eine
Anpassung der Einkommensteuer an die Inflation („Tarif auf Rädern“)
ist anzuraten. Mehr Brutto vom Netto ist erforderlich.
Private Haushalte stärken – Legale Arbeit schaffen!
Schwarzarbeit ist nach wie vor ein zentrales Problem – im
Hinblick auf hohe Nebenkosten und eine Rekord-Mehrwertsteuer eine
vorhersehbare Konsequenz! Das Instrument des Steuerbonus für
Handwerks- und haushaltsnahe Dienstleistungen muss folglich
erheblich ausgebaut werden. Dazu sollten die bisherigen
Fördertatbestände zusammengefasst und mit einem deutlich erhöhten
Förderhöchstsatz in Höhe von 12.000 Euro versehen werden. Der
Prozentsatz, mit dem der Abzug von der Steuerschuld vorgenommen
werden kann, ist dabei von 20 % auf 25 % anzuheben!
Energetische Gebäudesanierung vorantreiben!
Der energetischen Gebäudesanierung kommt eine Schlüsselaufgabe auch
für den Klimaschutz und die Steigerung der Energieeffizienz zu! Das
entsprechende Förderprogramm muss über 2009 hinaus fortgesetzt
werden, damit die Handwerksbetriebe verstärkt einstellen und
ausbilden und die Hersteller in neue Produktionskapazitäten
investieren.
Sozialpolitik/Gesundheitsfonds
Mehr Netto vom Brutto: Sozialabgaben endlich von Löhnen
abkoppeln!
Die Beiträge zur Sozialversicherung sind für kleine und
mittlere Unternehmen die größten Kostentreiber! Deshalb muss die
Senkung dieser Beiträge absolute Priorität haben! Schlüssel dazu ist
die sinnvolle Reform der Sozialversicherungen. Das
Wettbewerbsprinzip darf bei der gesetzlichen Kranken- und
Pflegeversicherung keineswegs ausgehebelt werden! Das Handwerk
fordert Veränderungen bei der Gestaltung des Gesundheitsfonds, da
die jetzige Form und der angekündigte einheitliche Beitragssatz zu
einer erheblichen Mehrbelastung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
führt und Kaufkraft und Binnenkonjunktur entscheidend schwächt! In
Anbetracht bisher niedrigerer Beitragssätze in Sachsen fordert das
Handwerk die Unterstützung der sächsischen Politik ein. Der
Leistungskatalog der gesetzlichen Unfallversicherung ist kritisch zu
überprüfen! Überschüsse der beitragsfinanzierten Arbeitslosen-
versicherungen sollten für die weitere Absenkung der Beitragssätze
genutzt werden.
Rechtspolitik
Forderungssicherungsgesetz – endlich in Kraft setzen!
Die Verabschiedung des Forderungssicherungsgesetzes (FoSiG)
im Bundestag kann trotz einiger Mängel als Erfolg für das Handwerk
gewertet werden. Eine unverzügliche Bestätigung seitens des
Bundesrates ist notwendig. Eine Wirksamkeitsanalyse muss den
Umsetzungsprozess des Gesetzes begleiten und ggf. eine Novellierung
vorbereiten.
EU-Politik
Entbürokratisierung nachhaltig in Angriff nehmen!
Grundsätzlich sind Verfahren zu beschleunigen und
überflüssige Beweis- und Rechenschaftspflichten abzubauen.
EU-Regelungen zur Entbürokratisierung, die in nationales Recht
umgesetzt werden, sollten 1:1 übernommen und keinesfalls durch die
Umsetzung in nationales Recht verkompliziert werden! Im Rahmen der
Anwendung der EU-Dienstleistungsrichtlinie sollten die
Selbstverwaltungseinrichtungen des Handwerks als Ansprechpartner
angebunden werden! Die Novelle der Verpackungsverordnung muss die
Serviceverpackungen der Lebensmittelhandwerke aus dem
Geltungsbereich der Europäischen Verpackungsrichtlinie
herauszunehmen.
Dresden, 9. September 2008 |