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Positionspapier des sächsischen Handwerks für die
Bundestagsabgeordneten des Freistaates Sachsen
anlässlich des
Parlamentarischen Abends
am 09. April 2008 in Berlin
Forderungen des
sächsischen Handwerks an die Bundestagsabgeordneten des Freistaates
Sachsen
Das Handwerk – eine Wirtschaftsmacht im Freistaat!
Im Freistaat Sachsen sind rund 58.000 Handwerksbetriebe tätig.
Der Wirtschaftsbereich beschäftigt 330.000 Menschen, rund jeder
zehnte Beschäftigte im sächsischen Handwerk ist ein Lehrling.
Wachstum im Handwerk ist in entscheidendem Maße von der Entwicklung
der Binnenkonjunktur abhängig. Der Sächsische Handwerkstag
appelliert an die Bundestagsabgeordneten des Freistaates, die
Forderungen des Handwerks und Mittelstandes in den Fokus ihres
Handelns zu setzen. Unsere Forderungen an die Politik sind:
Mehr Netto vom Brutto – Binnenkonjunktur ankurbeln!
Hohe Lohnnebenkosten erdrücken Binnenkonjunktur! Die Senkung der
Beiträge zur Arbeitslosenversicherung wird durch gegenläufige
Entwicklungen im Bereich der Lohnnebenkosten konterkariert. Das
Handwerk fordert deshalb:
- Der Beitragssatz der Arbeitslosenversicherung ist weiter zu
senken, indem die Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik
kritisch hinterfragt werden.
- Versicherungsfremde Leistungen müssen aus der
Rentenversicherung ausgegliedert werden, um den Beitragsatz
spürbar zu senken.
- Die Krankenversicherungsbeiträge sind von der Lohnhöhe zu
entkoppeln. Effizient wirtschaftende Kassen müssen gestärkt
werden. Der für 2009 geplante Gesundheitsfonds sollte
schnellstmöglich auf den Prüfstand gestellt werden.
- Die Reform der gesetzlichen Unfallversicherung ist im
Hinblick auf die Reduzierung der Anzahl der Versicherungsträger
konsequent weiterzuführen. Darüber hinaus gilt es nun endlich,
die längst überfällige Leistungsreform in Angriff zu nehmen!
- Einführung eines Einkommenssteuertarifes auf Rädern, d.h.
Koppelung der Eckwerte von Lohn- und Einkommenssteuertarifen an
die Inflationsentwicklung.
Steuerpolitik auf den Prüfstand!
Der große Wurf bei Unternehmen- und Erbschaftsteuerreform ist
nicht geglückt – hier ist eine Nachjustierung unbedingt
erforderlich:
- Einbehaltene Unternehmensgewinne (Thesaurierungsrücklage)
sollten von der Nachversteuerung im Entnahmefall befreit werden.
- Bei der Festlegung der Berechnungsregelungen zur
Gewerbesteuer gilt es, regionale Hebesätze zu berücksichtigen!
- Der Abschreibungsbetrag für geringwertige Wirtschaftsgüter
sollte wieder auf die ursprünglichen 401 Euro angehoben werden!
- Bei Erbschaftsteuer sollte die Behaltefrist des
Betriebsvermögens von 15 auf 10 Jahre vermindert werden.
- Ein Verstoß gegen die Behaltefrist darf nur zur
zeitanteiligen Nachversteuerung führen.
- Die Indexierung der Lohnsumme muss aufgegeben und
Verwaltungsvermögen von der Begünstigung umfasst werden!
- Doppelbelastungen mit Erbschafts- und Ertragsteuern sind zu
vermeiden!
- Der Steuerbonus für Handwerksleistungen muss im Hinblick auf
Mehrwertsteuerbelastung und Schwarzarbeit deutlich ausgebaut
werden. Bei einer Rechnung von bis zu 12.000 Euro muss es
möglich sein, 25 Prozent (3000 Euro) von der Steuerschuld
abziehen zu können.
- Ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz auf arbeitsintensive
Bauleistungen sollte im Hinblick auf Schwarzarbeitbekämpfung und
Stärkung der Binnenkonjunktur eingeführt werden!
Nein zum Mindestlohn – Ja zur Tarifautonomie!
Zahlreiche Studien zeigen: Mindestlöhne verdrängen Arbeitsplätze
und erzeugen Schwarzarbeit. Zu hohe Mindestlöhne gefährden die
Existenz zahlreicher Betriebe!
- Die Tarifautonomie hat sich in Deutschland bewährt und
sollte nicht durch die Einführung eines gesetzlichen
Mindestlohns aufs Spiel gesetzt werden!
- Ein zu hoher Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze, ein zu
niedriger bleibt wirkungslos – in jedem Falle entstehen hohe
Kosten für Bürokratie und Verwaltung!
Bürokratiekosten mindern – Finanzierung sichern!
Bürokratie belastet die deutsche Wirtschaft mit etwa 35 bis 40
Milliarden Euro jährlich. Insgesamt existieren 11.000
Informationspflichten für Unternehmen. Dies entzieht der Wirtschaft
wichtige Ressourcen, die produktiv und wachstumsförderlich
eingesetzt werden könnten! Darüber hinaus muss die Finanzierung
vereinfacht werden: Die Versorgung mit Fremdkapital ist für eine
Vielzahl von Betrieben des Handwerks und Mittelstandes die
entscheidende Voraussetzung für deren Fortbestehen. Die Politik muss
Hilfestellungen bieten.
- Verwaltungsverfahren sind zu kürzen und statistische
Berichtspflichten abzubauen!
- Der „Small Business Act“, dessen Zielgruppe insbesondere
kleine Unternehmen sind („think small first“), ist auf EU-Ebene
ist zu unterstützen. Dazu gehören Maßnahmen zum verbesserten
Zugang für Handwerksbetriebe zu öffentlichen Aufträgen, aber
auch eine nachhaltigere Interessenvertretung von KMU auf
EU-Ebene sowie die regelmäßige Bewertung europäischer und
nationaler KMU-Maßnahmen.
- Die GmbH-Reform ist zu begrüßen. Das Handwerk fordert
explizit die Reduzierung des Stammkapitals auf 10.000 Euro sowie
die Einführung einer Standardsatzung!
- Im Rahmen der energetischen Gebäudesanierung sollten
Fördermöglichkeiten auf Gewerbegebäude ausgeweitet werden!
Insbesondere Energieberater aus dem Handwerk sollten in den
Kfw-Expertenpool einbezogen werden.
- Eine solide Finanzierung des Handwerks durch öffentliche
Förderung ist auch zukünftig zu sichern!
Arbeitsmarkt nicht undifferenziert öffnen! Bildung und
Qualifizierung stärken!
- Im Hinblick auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit lehnt das
Handwerk eine Öffnung vor 2009 grundsätzlich ab und fordert, den
Rahmen bis 2011 auszuschöpfen.
- Eine Öffnung nach 2009 sollte grundsätzlich nur gewerke- und
bereichsbezogen erfolgen – eine unkontrollierte Öffnung ist in
jedem Falle abzulehnen! Durch eine Qualifizierungsoffensive
vorhandener Bewerber sollte vielmehr inländisches Potential
gestärkt und dem heimischen Arbeitsmarkt zugeführt werden.
- Die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger ist durch
frühzeitige Einbindung von Maßnahmen der Berufsorientierung zu
verbessern.
- Die duale Berufsausbildung hat sich grundsätzlich bewährt.
Die Stufenausbildung sollte gestärkt werden, um einen besseren
Einstieg in Ausbildung und Qualifizierung für
leistungsschwächere Schüler zu ermöglichen.
- Das Bildungssystem sollte durchlässiger gestaltet werden.
Ein Berufslaufbahnkonzept mit erweiterten Möglichkeiten für
Absolventen von Meisterkursen wird benötigt (Hochschulzugang).
Verpackungsordnung revidieren!
Die 5. Novelle zur Verpackungsordnung benachteiligt das
Nahrungsmittelhandwerk und führt langfristig zu höheren Preisen. Die
nach einem Kompromiss mit dem Bundesrat erzielte Verordnung sieht
vor, künftig alle Verpackungen bei dualen Systemen zu lizenzieren,
die in privaten Haushalten anfallen. Hier muss deutlich
nachgebessert werden.
- Den Lebensmittelhandwerkern werden neue Bürokratielasten
aufgebürdet. Sie sollen ihre Verpackungen mit dem "Grünen Punkt"
kennzeichnen und dafür Lizenzgebühren entrichten. Das sind neue
Kosten, die zum Schluss auch der Verbraucher mittragen muss!
- Auf europäischer Ebene ist es dringend geboten,
Serviceverpackungen aus dem Geltungsbereich der
Verpackungsrichtlinie herauszunehmen.
Zahlungsmoral endlich verbessern!
Die schlechte Zahlungsmoral und Insolvenzen von Auftraggebern
bedrohen nach wie vor die Existenz von Unternehmen des Handwerks.
- Die Geduld des Handwerks ist am Ende – ein neues
Forderungssicherungsgesetz muss umgehend in Kraft gesetzt
werden!
Nachhaltige Energie- und Umweltpolitik betreiben!
- Energieintensiv hergestellte Baustoffe sollten im Hinblick
auf stetig steigende Energiekosten reduziert werden!
- Nachhaltiges und Energiesparendes Bauen und Sanieren ist
stärker zu fördern!
Berlin, 9. April 2008 |