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Positionspapier des sächsischen Handwerks für die
Landtagsabgeordneten des Freistaates Sachsen
anlässlich des
Parlamentarischen Abends
am 25. September 2007 in Dresden
Forderungen des
sächsischen Handwerks an die Landtagsabgeordneten des Freistaates
Sachsen
Das Handwerk – eine Wirtschaftsmacht im Freistaat!
57.000 Unternehmen, 330.000 Arbeitsstellen und 24.000
Ausbildungsplätze: so präsentiert sich das Handwerk allein
quantitativ in Sachsen – ein Wirtschaftsbereich, der als Motor für
Beschäftigung und Ausbildung dient. Der noch junge konjunkturelle
Aufschwung hat das Handwerk belebt und wieder stärker in den
Mittelpunkt des wirtschaftlichen Geschehens gerückt. Allerdings
bedarf es auch grundlegender Reformen – zur Lösung noch bestehender
struktureller Probleme. Um diese Probleme zu lösen und zusätzlich
die Rahmenbedingungen für das Handwerk deutschland- und sachsenweit
zu verbessern, bedarf es engagierter Politiker – sowohl auf Landes-
als auch auf Bundesebene.
Forderungen auf Landesebene
Strukturpolitik und Verwaltungsreform Struktur- und
Investitionsförderung weiterhin sichern!
Die Umsetzung der Operationellen Programme für den ESF- und
EFRE-Fonds für die Jahre 2007 bis 2013 sollte zügig vonstatten gehen
und bei der Zuteilung der Mittel wirtschaftlich hemmende Faktoren
vermieden werden. Die Ausrichtung der Programme sollte den
Wirtschaftsbereich Handwerk konsequent stärken – über Innovationen,
Investitionen sowie Markterschließung und Entwicklung des
Humankapitals.
Infrastrukturausbau beschleunigen!
Eine erstklassige Verkehrsinfrastruktur ist für eine erfolgreiche
sächsische Wirtschaft unabdingbar. Geplante Autobahn- und
Schienenverkehrsprojekte sind zügig zu realisieren, insbesondere der
Ausbau der A 72 von Chemnitz nach Leipzig sowie der vierspurige
Ausbau der B 169 zwischen der Stadt Riesa und der Auffahrt auf die A
14. Periphere Gebiete sind stärker an die einzelnen
Wirtschaftsstandorte anzubinden. Darüber hinaus sollte durch die
Aufstellung eines Masterplans der spezifischen Lage in den
Grenzregionen Rechnung getragen werden.
Novellierung des sächsischen Gemeindewirtschaftsrechts
vorantreiben!
Im Rahmen der Novellierung des sächsischen
Gemeindewirtschaftsrechts sollte dem Subsidiaritätsprinzip
ausdrücklich Rechnung getragen werden. Um die wettbewerbswidrige
Betätigung der öffentlichen Hand einzudämmen, sollten die Kommunen
wirtschaftliche Unternehmen nur dann unterhalten, wenn der Zweck
nicht durch einen privaten Dritten erfüllt werden kann. Neben der
Ausreizung des Privatisierungspotenzials von Land und Kommunen gilt
es komplementär, die Möglichkeiten der Kommunalaufsicht
auszuschöpfen.
Leistungsfähigkeit durch eine sinnvolle Verwaltungs- und
Funktionalreform erhöhen!
Die anstehende Verwaltungsreform in Sachsen soll durch
Verwaltungsneuordnung und Kreisneugliederung zukunfts- und
leistungsfähige Verwaltungsstrukturen schaffen. Eine ausgewogene,
gleiche Lebensverhältnisse in allen Regionen sichernde Gestaltung
der Strukturen sollte dabei Grundprinzip sein. Organisch gewachsene
Strukturen sollten nicht zergliedert und einzelne Regionen zugunsten
anderer geschwächt werden.
EU-Politik
Interregionale Zusammenarbeit und Förderung von kleinen
Unternehmen im Rahmen der EU-Charta stärken!
Die von der EU beschlossene Europäische Charta für
Kleinunternehmen ist zügig umzusetzen und gegebenenfalls zu
ergänzen. Kernbereiche dabei sind die Vereinfachung von Rechts- und
Verwaltungsvorschriften, die Stärkung des technologischen Potentials
der kleinen Unternehmen sowie die Sicherung des Fachkräftebedarfs.
„First think small“ muss Politikprinzip sein.
Wirtschafts- und Energiepolitik
Public-Private-Partnerships handwerksfreundlich gestalten!
Öffentlich-private Partnerschaften sollten in Sachsen stärker
genutzt und als sinnvolle und effiziente Komponente an der
Schnittstelle zwischen privater und öffentlicher Wirtschaft
fungieren. Diese sind handwerksfreundlich zu gestalten und auf die
Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen auszurichten!
Heizen mit Weizen? – Energiepolitik überprüfen!
Sachsen braucht eine kohärente Energiestrategie, um künftige
Preissetzungsspielräume einzuschränken! Alternative Energien müssen
dabei ganz deutlich auf Kosten und Nutzen geprüft werden,
insbesondere falscher Subventionspolitik ist Einhalt zu bieten! Das
Handwerk lehnt einerseits Preissteigerungen generell ab, und fordert
im Interesse der sächsischen Wirtschaft, Preissetzungsspielräume
nach unten auszuloten. Darüber hinaus gilt es mittelfristig,
Energieerzeugung und Transport über die Netze zu trennen und damit
den Spielraum für Monopolpreisbildung zu vermindern.
Bildungspolitik
Das Duale System in der Ausbildung stärken!
Sowohl im Rahmen des Nationalen Paktes für Ausbildung und
Fachkräftenachwuchs als auch auf Landesebene sollte die Vermittlung
in das Duale System Vorrang genießen. Bedeutsam ist dabei die
Einführung eines systematischen, flächendeckenden und an den
objektiven Bedürfnissen des regionalen Arbeitsmarktes orientierten
Angebotes praxisbezogener Maßnahmen der Berufsorientierung an
sächsischen Mittelschulen und Gymnasien mit Unterstützung der
Wirtschaft!
Bildungssystem durchlässiger machen!
Das Sächsische Hochschulgesetz sollte nach dem Vorbild anderer
Bundesländer so geändert werden, dass Handwerksmeistern der Zugang
zu einem Hochschulstudium offen steht. Außerdem sollten bereits
erworbene Qualifikationen der beruflichen Bildung im Rahmen des
Hochschulstudiums anerkannt werden.
Forderungen von bundespolitischer Bedeutung
EU-Politik
Entbürokratisierung deutlich beschleunigen!
Entbürokratisierungsbestrebungen auf EU-Ebene müssen unterstützt
und sinnvoll in nationales Recht umgesetzt werden. Es scheint
deshalb unbedingt geboten, EU-Regelungen 1:1 zu übernehmen und nicht
durch die Umsetzung in nationales Recht zu verkomplizieren! Für die
nach der EU-Dienstleistungsrichtlinie zu gestaltenden einheitlichen
Ansprechpartner sollte eine wirtschaftsnahe Lösung unter Einbindung
der Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft erfolgen.
Steuerpolitik
Über Erbschaftsteuer Unternehmensnachfolge sichern!
Zur Sicherung der Unternehmensexistenz im Übernahmefall ist eine
mittelstandsfreundliche Reform der Erbschaftssteuer unabdingbar. Die
Gestaltungsmodelle zur Erbschaftssteuer sollten dies unbedingt
berücksichtigen und Betriebe des Handwerks und Mittelstandes
weitestgehend verschonen. Vereinfachung und unkomplizierte
Berechnung ist ein weiteres Erfordernis für Handwerk und
Mittelstand.
Aktuelle Beschlüsse zur Unternehmenssteuerreform zeitnah
überprüfen!
Die für 2008 beschlossene Unternehmenssteuerreform birgt trotz
positiver Ansätze zahlreiche für kleine Unternehmen unvorteilhafte
Detailregelungen. Dazu gehören Regelungen zur Thesaurierungsrücklage
für einbehaltene Gewinne von Personengesellschaften oder auch in
Bezug auf die geringwertigen Wirtschaftsgüter. Das Handwerk fordert
daher eine zeitnahe Evaluierung und Revision. Ziel der
Unternehmenssteuerreform muss die nachhaltige Entlastung des
Mittelstandes sein, die ihrerseits zum Erhalt von Arbeitsplätzen
beiträgt.
Sozialpolitik
Lohnzusatzkosten senken – Sozialversicherungen reformieren!
Das Handwerk fordert eine zügige und effiziente Reform der
Sozialversicherungen, um die Lohnzusatzkosten dauerhaft zu senken!
Die Überschüsse der beitragsfinanzierten Arbeitslosenversicherung
müssen genutzt werden, um den Beitragssatz weiter abzusenken und
nicht, um den Bundeshaushalt über den Aussteuerungsbeitrag
kozufinanzieren. Die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung
muss auf eine solide Basis gestellt werden, die den Wettbewerb der
Krankenkassen erhöht und nicht zu weiterer Zentralisierung und
Verdrängung der Privaten Krankenversicherungen führt. Die Reform der
gesetzlichen Unfallversicherung ist unabdingbar: insbesondere der
Leistungskatalog und die Strukturreform sind zu prüfen!
Keine undifferenzierte Öffnung des Arbeitsmarktes!
Das Handwerk lehnt eine Öffnung vor 2009 grundsätzlich ab und
fordert, Ausnahmen von den bestehenden Einschränkungen im Interesse
von Bestandsschutz und Existenzsicherung sorgfältig zu prüfen. Eine
Öffnung nach 2009 sollte grundsätzlich gewerke- und bereichsbezogen
erfolgen – eine unkontrollierte Öffnung ist in jedem Falle
abzulehnen! Durch eine Qualifizierungsoffensive vorhandener Bewerber
sollte vielmehr inländisches Potential gestärkt und dem heimischen
Arbeitsmarkt zugeführt werden.
Rechtspolitik
Forderungssicherungsgesetz – Vorliegenden Gesetzesentwurf
endlich beschließen!
Die bestehenden Regelungen zur Beibringung offener Forderungen
haben in der Praxis versagt. Hohe Zahlungsausfälle bedrohen nach wie
vor die Existenz der ohnehin liquiditätsschwachen Handwerksbetriebe.
Die Inkraftsetzung des vorliegenden Entwurfes eines
Forderungssicherungsgesetzes wird deshalb dringend gefordert und die
Politik aufgefordert, endlich zu handeln.
Novelle der Verpackungsordnung handwerksgerecht gestalten!
Die Regelungen zur Verpackungsordnung, die im September im
Bundesrat besprochen werden, sehen eine Lizenzgebühr auch für
Bäcker, Konditoren und Fleischer vor. Dies führt zu einer
Doppelbelastung, da das verwendete Verpackungsmaterial vielfach
nicht Eingang in das Duale System findet. Eine handwerksgerechte
Lösung ist erforderlich.
Dresden, 25. September 2007 |