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Kollegium „Lehrstellen und
Fachkräfte für Sachsen“
Ausbildungsoffensive
2004
„Zukunft braucht Ausbildung“
In gemeinsamer Verantwortung engagieren sich
im Kollegium „Lehrstellen und Fachkräfte für Sachsen“ Landtag,
Staatsregierung, Sozialpartner, Kammern und die Agenturen für Arbeit dafür,
dass junge Menschen, die die Schule abgeschlossen haben, eine berufliche
Perspektive erhalten. Ausbildung in gemeinsamer gesellschaftlicher
Verantwortung von Staat, Wirtschaft und gesellschaftlichen Institutionen
steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit Beschäftigung und
wirtschaftlicher Entwicklung. Öffentliche und private Arbeitgeber schließen
nur dann Ausbildungsverträge ab, wenn sie eine stabile und berechenbare
Prognose ihrer Unternehmensentwicklung treffen können. Voraussetzung dafür
ist eine berechenbare wirtschafts-freundliche wachstumsorientierte Politik.
Von der Ausbildung und Qualifizierung junger Menschen hängt die
Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft Sachsens ab. Die dringend benötigten
Fachkräfte müssen bereits heute ausgebildet werden.
Das Kollegium fordert von der Bundesregierung
eine wachstumsorientierte beschäftigungs- und damit ausbildungsfördernde
Wirtschaftspolitik. Die Sozialpartner sollen sich um Rahmenbedingungen
bemühen, die eine Erhöhung der betrieblichen Angebote an Ausbildungsplätzen
und Verbundlösungen ermöglichen.
Es ist ferner der Auffassung, dass Eltern
gemeinsam mit Kindertagesstätten und Schulen die Kinder und Jugendlichen so
erziehen und bilden sollen, dass sie die erforderlichen Sozialkompetenzen
sowie die Befähigung und Bereitschaft zur beruflichen Ausbildung erhalten.
Angebote der Jugendhilfe sind gegebenenfalls ergänzend einzubeziehen.
Das Kollegium wird die gemeinsam getragene
sächsische Ausbildungsoffensive fortsetzen. Allen ausbildungswilligen und
ausbildungsfähigen jungen Menschen soll ein Ausbildungsangebot unterbreitet
werden. Dabei bleibt die Vermittlung in die duale Berufsausbildung
vorrangig. Auch Jugendliche mit eingeschränkten Vermittlungschancen sollen
Perspektiven für den Einstieg in die berufliche Ausbildung und das
Berufsleben erhalten.
Die im Kollegium vertretenen Partner streben
an, die jeweiligen Ausbildungsleistungen des Jahres 2003 auf mindestens
gleichem Niveau auch im Jahr 2004 zu erbringen. Das heißt im Einzelnen:
- Die sächsische Wirtschaft und die freien
Berufe setzen sich dafür ein, dass eine entsprechende Anzahl betrieblicher
Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt wird.
- Der Freistaat Sachsen wird für die
Laufbahnen des mittleren und gehobenen Dienstes sowie in Berufen nach BBiG/HwO
insgesamt 864 Ausbildungsplätze, gegenüber dem Vorjahr 117 Plätze mehr,
anbieten
- Wie im Vorjahr werden 3020 betriebsnahe
Ausbildungsplätze im Rahmen des Bund –Länder-Ausbildungsprogramms Ost
2004, umgesetzt in der von Bund und ESF kofinanzierten
Gemeinschaftsinitiative Sachsen (GISA), besetzt werden können. Sofern eine
entsprechende Nachfrage von geeigneten Bewerbern besteht und nachgewiesen
wird, wird die GI-SA um bis zu 100 Plätze durch den Freistaat Sachsen,
kofinanziert aus Mitteln des ESF, aufgestockt werden.
- Die Agenturen für Arbeit bieten ebenfalls
Maßnahmen zur Berufsvorbereitung an. Für die Maßnahmekosten allgemeiner
berufsvorbereitender Maßnahmen sollen ab Herbst 2004 in Sachsen ca. 6.300
neue Teilnehmerplätze bereitgestellt werden. Dafür stehen im Haushaltsjahr
2004 34,8 Mio. € an Ausgabemitteln zur Verfügung. Das entspricht etwa der
Größenordnung des Vorjahres.
- Da sich jedoch die berufliche
Qualifizierung der Jugendlichen in Sachsen vorerst noch nicht
ausschließlich durch die duale Berufsausbildung realisieren lässt, halten
die öffentlichen berufsbildenden Schulen und die berufsbildenden Schulen
in freier Trägerschaft im Rahmen der verfügbaren Ressourcen
Bildungsangebote zur Berufsausbildung Berufsgrundbildung,
Berufsvorbereitung und Studienqualifizierung vor.
Dies sind:
- Angebote der schulischen Berufsausbildung
(Berufsfachschulen) einschließlich der Angebote zur Ausbildung in den
Gesundheitsfachberufen sowie
- Angebote der schulischen beruflichen
Grundbildung als erstes Jahr der Ausbildung in einem anerkannten
Ausbildungsberuf (schulisches Berufsgrundbildungsjahr, einjährige
Berufsfachschule) mit dem Ziel der Anrechnung auf die Ausbildungszeit in
einem anerkannten Ausbildungsberuf,
- Angebote der schulischen
Berufsvorbereitung mit der Orientierung auf eine zielgruppenoptimierte
Berufsausbildungsvorbereitung und,
- Angebote studienqualifizierender
Bildungsgänge (zweijährige Fachoberschule, Berufliches Gymnasium).
Der Freistaat Sachsen wird die Programme zur
Förderung der Beruflichen Erstausbildung im gleichen Umfang wie im Vorjahr
fortführen. Dies betrifft insbesondere die Förderung erstmals ausbildender
Unternehmen, der Verbundausbildung und der über-betrieblichen
Lehrunterweisung im Handwerk, des Erwerbs von Zusatzqualifikationen und der
Anrechnung des Berufsgrundbildungsjahres. Darüber hinaus wird er zur
strukturellen Verbesserung der Ausbildungsbereitschaft bei kleinen und
mittleren Unternehmen in den kommenden Jahren bis zu 7 Mio. € zur
Unterstützung von Fachkräftenetzwerken zur Verfügung stellen. Im Rahmen der
ESF-Förderung wird ein neuer Förderschwerpunkt „Zusammenarbeit zwischen
Schule und Wirtschaft“ eingerichtet, der die bessere Berufsorientierung der
Jugendlichen zum Ziel hat. Informationen zu den besten Kooperationen werden
auf dem sächsischen Schulserver verfügbar gemacht.
Optimale Vermittlung in Ausbildung setzt eine
genaue und aktuelle Kenntnis über alle vorhandenen Qualifizierungsangebote
als auch deren individueller Nachfrage voraus. Das Kollegium vereinbart,
dass Kammern, Agenturen für Arbeit und Regionalschulämter, entsprechend den
gesetzlichen und datenschutzrechtlichen Regelungen, Daten über die bisher
unvermittelten Jugendlichen austauschen, um jedem Jugendlichen ein Angebot
auf einen Ausbildungsplatz in der dualen Ausbildung oder ein
berufsqualifizierendes Bildungsangebot an einer berufsbildenden Schule oder
ein anderes Qualifizierungsangebot zu unterbreiten.
Andere Qualifizierungsangebote können zum
Beispiel die vom Freistaat Sachsen an den öf-fentlichen berufsbildenden
Schulen und an berufsbildenden Schulen in freier Trägerschaft angebotenen
vollzeitschulischen Maßnahmen zur Berufsvorbereitung oder das
Berufsgrundbildungsjahr sein.
Das Kollegium bittet das SMWA, die Ergebnisse
der Evaluierung des Förderprogramms zur beruflichen Ausbildung zeitnah
auszuwerten und Hinweise und Vorschläge zur Steigerung der Fördereffizienz
in der nächsten Kollegiumssitzung vorzustellen.
Alle Unterzeichner verpflichten sich, die
Ergebnisse der Maßnahmen gemeinsam öffentlich zu kommunizieren.
Dresden, 29. Juni 2004
Die Unterzeichner
beschließen am 29. Juni 2004 die Vereinbarung
„Zukunft braucht Ausbildung“
Hartmut Paul
Vorsitzender des Kollegiums
Präsident der Industrie- und Handelskammer Dresden |
Dr. Martin Gillo
Staatsminister
im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit |
Wolfgang Rühlig
Stellv. des Vorsitzenden des
Kollegiums
Präsident der Handwerkskammer Chemnitz |
Helma Orosz
Staatsministerin
im Sächsischen Staatsministerium für Soziales |
Claus Dittrich
Präsident
der Handwerkskammer Dresden |
Holger Martin
Ministerialdirigent
Sächsisches Staatsministerium für Kultus |
Joachim Dirschka
Präsident
der Handwerkskammer zu Leipzig |
Karl Peter Fuß
Vorsitzendes Mitglied der
Geschäftsführung
Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit |
Wolfgang Topf
Präsident
der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig |
Karl Noltze
Regierungspräsident
Regierungspräsidium Chemnitz |
Michael Lohse
Präsident
der Industrie- und Handelskammer Süd-westsachsen |
Iris Kloppich
Stellv. Landesbezirksvorsitzende
des DGB Sachsen |
Dietrich Hamann
Präsident
des Gesamtverbandes des Sächsischen Handwerks |
Wolfgang Anschütz
Landesbezirksleiter
der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Landesbezirk Sachsen
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Hans-Joachim Kraatz
Präsident
des Landesverbandes der Freien Berufe e.V. |
Rita Henke MdL
Vorsitzende des Ausschusses für
Schule,
Jugend und Sport des Landtags Sachsen |
Prof. Dr. Dr. Frieder
Sieber
Vizepräsident
der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft |
Heinz Lehmann MdL
Vorsitzender des Ausschusses für
Wirtschaft,
Arbeit und Technologie des Landtags Sachsen |
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