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Positionspapier
des Sächsischen
Handwerkstages zum Thema:
"Der Meisterbrief im deutschen Handwerk - ein Trumpf
im internationalen Wettbewerb"
verabschiedet vom Vorstand
des Sächsischen Handwerkstages in seiner
Sitzung vom 10. April 2001 in Dresden
Seit Ende der 90-er Jahre sind
deutschlandweit die Rufe derer lauter geworden, die vehement gegen den
"Großen Befähigungsnachweis" (Meisterbrief) Front machen. Im
Rahmen dieser öffentlich geführten Diskussion hat der Sächsische
Handwerkstag mit qualifizierten Argumenten für eine Beibehaltung von
Meisterkursen und Meisterbrief im deutschen Handwerk in der jetzigen Form
wiederholt Position bezogen.
Gleichwohl machen die von Zeit zu Zeit
aufflammenden Anti-Meisterbrief-Aktionen von Teilen in Politik und
Gesellschaft deutlich, dass es dem Handwerk und seiner Organisation bislang
noch nicht hinreichend gelungen ist, eine breite Öffentlichkeit von den
Vorzügen dieser hochwertigen handwerklichen wie auch gesellschaftlichen
Qualifikation zu überzeugen.
Mit Blick auf die zu Jahresbeginn 2000
gestartete Imagekampagne unter der Dachmarke "Sächsisches Handwerk -
Zukunft von Meisterhand" hat sich der Vorstand des Sächsischen
Handwerkstages auf seiner Sitzung am 10. April 2001 in Dresden für eine
nachhaltige Imagekampagne der Handwerksorganisation ausgesprochen.
Anliegen soll es sein, die Vorzüge des im Kern bewährten Instruments
"Meisterbrief" überzeugend ins rechte Licht zu rücken.
- Der Meisterbrief im deutschen Handwerk
- Ergebnis einer einzigartigen Form der institutionalisierten Qualifizierung
zum Unternehmer
Der Meisterbrief im deutschen Handwerk ist
Ergebnis einer einzigartigen Form der institutionalisierten Qualifizierung zum
Unternehmer. Der "Große Befähigungsnachweis" ist das
"Diplom" für Menschen aus dem nicht-akademischen Bereich. Der
Wunsch, den Meisterbrief zu erlangen, ist für viele Fachkräfte eines der
stärksten Motive für Weiterbildungsanstrengungen nach der beruflichen
Erstausbildung.
Wer den "Großen
Befähigungsnachweis" abschafft, beseitigt einen der wichtigsten
Bildungsaufstiegswege für Nicht-Akademiker. Im sächsischen Handwerk
erwarben im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts rund 20.000 junge
Handwerkerinnen und Handwerker den Meisterbrief.
- Der Meisterbrief im deutschen Handwerk
- Motivation zur Selbstständigkeit
Mit den Meisterkursen und dem Meisterbrief
verfügt Deutschland über ein auch europaweit anerkanntes Modell für die
Vorbereitung von Menschen auf die Selbstständigkeit bzw. Übernahme von
Führungspositionen im Handwerk. Allein in Sachsen machen sich im
Durchschnitt nahezu 50 % der jährlich etwa 2.300 hinzu kommenden
Meisterabsolventen selbstständig, die in der Regel weitere neue Arbeits-
und Ausbildungsplätze schaffen.
Damit weist Deutschlands Handwerk dank
Meisterbrief in Relation zu anderen Bereichen (z.B. Hochschulabsolventen:
unter 10 %) eine überdurchschnittlich hohe Selbstständigenquote auf. In
Sachsen erhöhte sich seit 1990 die Zahl der von einer Meisterin bzw. von
einem Meister geführten Vollhandwerksunternehmen um rund 12.000 auf mehr
als 42.000.
- Der Meisterbrief im deutschen Handwerk
- Voraussetzung für den Aufbau bestandsfester und krisensicherer
Unternehmen
Die von Meistern im Handwerk geführten
Unternehmen weisen signifikant (u.a. Studie des RWI Rheinisch-Westfälischen
Instituts für Wirtschaftsforschung, Essen, 1999) eine höhere
Bestandsstabilität als Unternehmen in anderen Wirtschaftsbereichen auf.
Nach Feststellungen der Essener
Wirtschaftsforscher liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit handwerklicher
Neugründungen mit Sicherheit deutlich über der von Existenzgründungen in
anderen Sektoren. - Seit Jahren liegt die Insolvenzquote im Handwerk
aufgrund der eben nicht nur fachlich, sondern auch betriebswirtschaftlich,
kaufmännisch, rechtlich und pädagogisch geschulten Meister als
Unternehmensleiter um die Hälfte niedriger als in anderen
Wirtschaftsbereichen.
- Der Meisterbrief im deutschen Handwerk
- Voraussetzung für ein Mehr an Arbeitsplätzen am Wirtschaftsstandort
Deutschland
Seit 1990 hat die Handwerkswirtschaft im
Osten Deutschlands im Unterschied zum industriellen Sektor und gemessen am
Beschäftigtenanteil stark zugenommen. Unter den Bedingungen des
"Großen Befähigungsnachweises" ist das Handwerk mit einem Anteil
von knapp 20 % an Arbeitsplätzen deutschlandweit zum größten Arbeitgeber
aufgestiegen. Daher darf der "Job-Motor Handwerksmeister/in" auf
keinen Fall demontiert werden.
Im sächsischen Vollhandwerk stieg die Zahl
der Beschäftigten pro Handwerksbetrieb von durchschnittlich drei im Jahr
1990 auf durchschnittlich neun im Jahr 2000. Gab es 1990 im sächsischen
Handwerk zirka 93.000 Beschäftigte, so sind es heute im Vollhandwerk rund
380.000.
- Der Meisterbrief im deutschen Handwerk
- Voraussetzung für solide und qualifizierte Berufsausbildungsplätze
Die Ausbildungsquote im Handwerk ist aufgrund
der Ausbildungsleistung der Handwerksmeister nahezu doppelt so hoch wie in
anderen Wirtschaftsbereichen. Zurückzuführen ist dies auf die Verknüpfung
von Marktzutritts- und Ausbildungsberechtigung im "Großen
Befähigungsnachweis". Sowohl auf dieser Grundlage als auch auf Basis
des dualen Systems der beruflichen Bildung ist es dem Wirtschaftsbereich
Handwerk bislang möglich, pro Jahr nahezu 40 % aller Lehrstellen
anzubieten.
Im sächsischen Handwerk erhielten seit 1990
insgesamt mehr als 50.000 junge Leute eine qualifizierte Berufsausbildung.
Ein großer Teil der vom Handwerk fachlich Ausgebildeten setzt die
berufliche Laufbahn zwischenzeitlich in anderen Bereichen von Wirtschaft und
Gesellschaft fort.
- Der Meisterbrief im deutschen Handwerk
- Voraussetzung für hohe Wettbewerbsintensität auf den Märkten
Die Meisterqualifizierung im Handwerk hat
nicht - wie zuweilen von interessierter Seite behauptet - Marktabschottung
und Verhinderung des Wettbewerbs zum Ziel, sondern trägt vielmehr zu einer
Belebung des Wettbewerbs auf den unterschiedlichen lokalen und regionalen
Märkten bei.
Zum einen schafft sich das Handwerk durch
seine Ausbildungsleistung die potenziellen Wettbewerber selbst. Dadurch
bewirkt das Handwerk eine Erhöhung der Wettbewerbsintensität auf
handwerklichen Märkten. Darüber hinaus unterliegt das Handwerk
beachtlichem Wettbewerb auch mit nicht-handwerklichen Betrieben (z.B. über
den Handel, über die Werk-Kundendienste der Industrie sowie über
europäische Anbieter auf den Bau- und Ausbaumärkten).
Zum anderen hat der Meisterbrief zu keiner
Zeit zu einer Beschränkung der Zahl der Meistertitel-Inhaber, stattdessen
jedoch zum Aufbau einer großen "Meisterreserve" geführt. Auf
jeden selbstständigen Handwerksmeister kommt heute ein Meister im
Angestelltenverhältnis. Im Falle günstigerer politischer Rahmenbedingungen
dürfte die Zahl der Selbstständigen im Handwerk deutlich höher liegen.
- Der Meisterbrief im deutschen Handwerk
- ein nachhaltiger Beitrag zum Verbraucherschutz
Im Unterschied zu standardisierten
Massenerzeugnissen haben die Verbraucher bei nicht-standardisierten
Produkten und Dienstleistungen (sog. Vertrauensgütern) das Problem einer
nicht ausreichenden Markttransparenz. Der Meisterbrief im Handwerk hilft
hier den Verbrauchern, indem er von handwerklichen Anbietern präventiv den
Nachweis einer ausreichenden Qualifikation verlangt. Auf diese Weise
signalisiert der "Große Befähigungsnachweis" den Verbrauchern
ein Mindestmaß an Verlässlichkeit der handwerklichen Anbieter.
Auch unter dem Kosten-Aspekt spricht vieles
dafür, bei nicht-standardisierten Produkten und Dienstleistungen am
Instrument "Meisterbrief" unbedingt festzuhalten. Verglichen mit
alternativen Instrumenten wie etwa der Produkt- und Dienstleistungshaftung,
der Verlängerung von Gewährleistungspflichten, detaillierten
Produktvorschriften und -normen verursacht der "Große
Befähigungsnachweis" geringere Kosten.
- Der Meisterbrief im deutschen Handwerk
- Modell für andere Bereiche der Gesellschaft
Als Form der institutionalisierten
Qualifizierung zum Unternehmer empfehlen sich Meisterkurse und Meisterbrief
im deutschen Handwerk durchaus als Modell für andere Bereiche der
Gesellschaft, um die viel beschworene neue Kultur der Selbstständigkeit in
Deutschland mit Leben zu erfüllen.
So gehen seit Ende der 90-er Jahre immer mehr
wirtschaftswissenschaftliche Institute an Universitäten und Hochschulen
dazu über, "Lehrstühle für Existenzgründer" zu schaffen.
Anliegen dieser Einrichtungen ist es, zunehmend auch Hochschulabsolventen
zur Gründung einer eigenen wirtschaftlichen Existenz zu ermuntern und zu
befähigen.
Der Vorstand des Sächsischen Handwerkstages
ist überzeugt davon, dass Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des
deutschen Handwerks auch künftig davon abhängen werden, ob Politik,
Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland an der bewusst hoch gesteckten
Hürde "Meisterbrief" festhalten oder nicht. Andernfalls käme es
zu einem Verfall des anerkannt hohen Qualifikationsniveaus und
Qualitätsstandards im Vollhandwerk. Zweifelsohne bedarf es einer stets
zeitgemäßen und flexiblen Handhabung des "Großen
Befähigungsnachweises", wenn sich dieses Instrument auch im
internationalen Wettbewerb als Trumpfkarte erweisen soll.
Für den Vorstand des Sächsischen
Handwerkstages
gez. Joachim Dirschka
Präsident |
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gez. Dietrich Hamann
Vizepräsident |
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