Ungeachtet regionaler und branchenspezifischer Belebungen
bleibt die konjunkturelle Lage im sächsischen Handwerk auch im Frühjahr 1999 angespannt,
Bestimmend sind rückläufige Umsätze, Preisverfall, eine unbefriedigende Auftragslage
sowie eine mangelnde Investitionsbereitschaft, wobei das Gesamtbild weiterhin durch die
kritische Situation im Bau- und Ausbaugewerbe geprägt wird. Die Erwartungen des Handwerks
für das Sommerhalbjahr ´99 sind äußerst verhalten. Dieses Fazit aus den Ergebnissen
der Frühjahrskonjunkturumfrage im sächsischen Handwerk ´99 zog
Handwerkstag-Vorstandsmitglied Joachim Dirschka, Präsident der Handwerkskammer zu
Leipzig, am Montag vor Journalisten in Dresden.
In erster Linie belegt wird die Gesamteinschätzung durch Aussagen zur Geschäftslage
(Umsatz, Preise, Aufträge), die im Vergleich zum Vorjahr insgesamt eher schlechter
ausfällt. So gaben 36 % der befragten Betriebe ein Negativurteil ab, lediglich 16 %
zeigten sich zufrieden. Besonders schlecht ist die Stimmung im Ausbaugewerbe (41 % sind
unzufrieden), während sich der Zuliefersektor im Metallgewerbe im Winterhalbjahr weiter
konsolidieren konnte. Hier äußerte sich immerhin fast jedes vierte befragte Unternehmen
optimistisch.
Für das Sommerhalbjahr ´99 erwartet nur jeder fünfte Betrieb einen guten
Geschäftsverlauf, 29 % sind pessimistisch. Politisch beeinflußt ist diese
Erwartungshaltung durch die für das Handwerk nach wie vor immense Steuerlast
(Öko-Steuer), durch die aus Handwerkssicht destruktiven Regelungen zu den 630-Mark-Jobs
sowie zur Scheinselbständigkeit. Vorsichtigen Optimismus signalisieren Unternehmen der
Regierungsbezirke Chemnitz und Dresden, ausgelöst durch eine Belebung des
Zulieferhandwerks infolge eines gestärkten verarbeitenden Gewerbes im Süden des
Freistaates.
Geringfügig verschlechtert im Winterhalbjahr 1998/99 hat sich insgesamt die Beschäftigtensituation
im sächsischen Handwerk. 7 % der befragten Unternehmen meldeten Neueinstellungen; nahezu
jeder fünfte Betrieb sah sich gezwungen, Leute zu entlassen.
Personal abbauen mußten vor allem Unternehmen aus dem Bau- und Ausbaugewerbe.
Insgesamt rechnen für das kommende Halbjahr 9 % der Betriebe mit Neueinstellungen, 19 %
dagegen eher mit einer Reduzierung ihrer Belegschaft in Anbetracht einer weiteren
Verschlechterung der Rahmenbedingungen (Steuern und Abgaben).
"Mit Blick auf die anstehende EU-Osterweiterung ergeben sich daraus für
unsere Unternehmen eindeutige Standortnachteile. Für die Bundes- und Landespolitik
besteht also Handlungsbedarf, um eine nachhaltige Schädigung von Handwerk und Mittelstand
infolge bestehender Niveauunterschiede bei Steuern und Lohnnebenkosten durch den
EU-Beitritt Polens und Tschechiens zu vermeiden", sagte Dirschka.
Einen anhaltenden Negativtrend verzeichneten im Berichtszeitraum viele Betriebe
bei den Umsätzen. Insgesamt 57 % der befragten Unternehmen, darunter vor allem aus
dem Ausbau- sowie aus dem Nahrungsmittelgewerbe, meldeten erneut Rückgänge, nur jedes
zehnte Unternehmen ein Umsatzplus. Für das bevorstehende Halbjahr rechnet jeder dritte
Betrieb mit weiteren Einbußen, lediglich 18 % mit einem Zuwachs. Belebungen erwarten hier
vor allem Unternehmen aus den Regierungsbezirken Chemnitz und Dresden.
Unverändert kompliziert ist die Situation für das Handwerk auch bei der Auftragslage:
Nahezu jeder zweite Betrieb (46 %), darunter wiederum vor allem aus dem Bau- und
Ausbaugewerbe, verwies auf rückläufige Auftragsbestände, nur 10 % zeigten sich
zufrieden. Einer Besserung in den kommenden sechs Monaten sehen 18 % der Betriebe (Bau-;
Kfz-Sektor) entgegen; 24 % rechnen mit rückläufigen Auftragseingängen, vor allem im
Ausbau-, im Metall- sowie im Nahrungsmittelsektor.
Negativ stellt sich ebenso die Entwicklung bei den Verkaufspreisen dar.
Fast jeder dritte Betrieb mußte Preiszugeständnisse machen, nur 7 % konnten höhere
Preise erzielen. Auffallend schlecht ist auch hier die Lage im Bau- und Ausbaubereich, wo
immerhin jeder zweite Betrieb niedrigere Preise kalkulieren mußte. Für die nahe Zukunft
erhoffen 12 % der Betriebe höhere Preise; 23 % gehen von einem weiteren Preisrutsch aus,
darunter vor allem Betriebe des Bauhandwerks.
Geradezu alarmierend sind die Auswirkungen der anhaltend schwierigen
Wirtschaftslage auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen: 57 % der Firmen
reduzierten bzw. nahmen Abstand von derartigen Aktivitäten; nur 9 % legten zu. Auch für
die Zukunft ist bei Neu- bzw. Modernisierungsinvestitionen im sächsischen Handwerk nicht
mit einem Durchbruch zu rechnen. Wegen dieser nun schon seit Jahren anhaltenden
Entwicklung droht eine ernste Verschlechterung der Substanz in zahlreichen
Handwerksunternehmen.
An der repräsentativen Frühjahrskonjunkturumfrage 1999 des Sächsischen
Handwerkstages beteiligten sich insgesamt 2.717 Unternehmen des Freistaates.