Die Stimmung im sächsischen Handwerk, das weiterhin im Konjunkturtief
steckt, hat sich im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert. Wegen des
akuten Reformstaus in der Gesundheits-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
und eines damit einher gehenden Kostendrucks auf die Unternehmen ist das
Misstrauen gegenüber der Politik der derzeitigen Bundesregierung
gewachsen. „Mit Sorge stellen wir fest, dass von der Politik keine
nachhaltigen Impulse für eine Konjunkturbelebung ausgehen“, wie
Handwerkstag-Präsident Joachim Dirschka am Montag vor der Presse in
Dresden einschätzte. „Statt eines strategischen Konzepts dominieren
allenfalls politischer Aktionismus und fehlender Mut zu durchgreifenden
Veränderungen.“
Wie die Auswertung der Frühjahrskonjunkturumfrage 2002 im sächsischen
Handwerk ergab, ist jetzt nur noch jeder zehnte Betrieb (Herbst 2001: 16 %
der Unternehmen) mit seiner Geschäftslage zufrieden; 48 % sind
unzufrieden (Herbst 2001: 39 % der Betriebe). Diese Entwicklung sei nicht
auf saisonale Unwägbarkeiten, sondern vor allem auf eine insgesamt zu
schwache Konjunktur im industriellen Sektor sowie auf Konsumzurückhaltung
bei Privathaushalten zurückzuführen, sagte Dirschka. Im Unterschied zu
früheren Konjunkturerhebungen im Handwerk falle zudem auf, dass es diesmal
keine regionalen Unterschiede in den Gesamteinschätzungen gibt.
Einen deutlichen Einbruch in der Geschäftsentwicklung signalisieren das
zulieferorientierte Metallgewerbe (13 % zufrieden, 43 % unzufrieden) sowie
der Ausbausektor (12 % zufrieden, 50 % unzufrieden). Unverändert angespannt
ist die Situation nach wie vor im Bauhauptgewerbe (9 % zufrieden; 55 %
unzufrieden). Auf niedrigem Niveau leicht stabilisiert (13 % zufrieden; 44 %
unzufrieden) hat sich das Kfz-Gewerbe. Ein negatives Bild zeichnen die
Nahrungsmittelhandwerke (Bäcker, Fleischer): Während gut ein Zehntel der
hierzu Befragten Zufriedenheit angibt, beurteilen immerhin ein Drittel die
Geschäftslage gegenteilig.
Wenig Optimismus kommt auch in den Antworten nach Erwartungen für die
Geschäftsentwicklung im Sommerhalbjahr 2002 zum Ausdruck: 13 % (Herbst 2001:
13 %) der Handwerksunternehmer erwarten bessere, 43 % (Herbst 2001: 45 %)
jedoch eher schlechtere Zeiten.
Auch in puncto Beschäftigtensituation im sächsischen Handwerk hat
sich der Negativtrend verschärft. Seit Herbst 2001 verringerte jeder vierte
Betrieb seine Belegschaft; nur 5 % der Unternehmen stellten Personal ein.
„Damit reduzierte sich die Zahl der Arbeitsplätze im sächsischen Handwerk
erneut um rund 10.000“, erläuterte der Präsident. Der größten Stellenabbau
entfiel dabei – auch saisonal bedingt – auf das Bau- und Ausbaugewerbe. Aber
auch in Sachsens Kfz-Gewerbe trennte sich jeder vierte Betrieb von
Mitarbeitern. – Für das Sommerhalbjahr sind die Erwartungen auf
Neueinstellungen im Gesamthandwerk sehr verhalten: Nur 8 % halten für
denkbar, zusätzliches Personal einzustellen.
Umsatzrückgänge im Winterhalbjahr melden insgesamt 63 % der
sächsischen Handwerker, Steigerungen jedoch nur 7 %. Für das kommende
Halbjahr sind Hoffnungen auf eine Besserung der Situation gedämpft. –
Ähnlich trüb sieht es bei der Auftragslage aus: 57 % der Firmen
melden rückläufige Auftragseingänge, 7 % Zuwächse. Damit liegt der mittlere
Auftragsvorlauf im Durchschnitt bei 4,7 Wochen, während Unternehmer in der
Regel erst bei Aufträgen für mindestens drei aufeinander folgende Monate
halbwegs Planungssicherheit haben.
Unverändert kritisch ist das Bild bei den Verkaufspreisen für
Produkte und Dienstleistungen. Ein Viertel der Firmen geben an, dass
Zugeständnisse unumgänglich waren, 22 % erzielten höhere Preise am Markt.
Vom Preisverfall besonders betroffen: das Bauhauptgewerbe. Hier musste
immerhin fast jedes zweite Unternehmen (48 %) seine Preise nach unten
anpassen.
Ein Beleg für die angespannte Situation im sächsischen Handwerk ist nicht
zuletzt das Investitionsverhalten: Danach haben auch im
zurückliegenden Halbjahr 63 % der Betriebe nicht oder nur geringfügig
investiert; lediglich 6 % der Unternehmen erhöhten Ausgaben für
Investitionen. Anzeichen für eine Belebung der Investitionstätigkeit im
Sommerhalbjahr 2002 gibt es kaum.
Präsident Dirschka: „Die Handwerksunternehmen müssen insbesondere von
Lohnnebenkosten endlich entlastet werden, so dass wieder mehr
Investitionsmittel verfügbar sind, neue Arbeitsplätze entstehen können. Arg
zu schaffen machen dem Gros der sächsischen Handwerksmeister vor allem eine
dünne Eigenkapitaldecke sowie eine schlechte Liquidität.“
- An der repräsentativen Umfrage zur Handwerkskonjunktur im Frühjahr 2002
nahmen 2.704 von 9.600 angeschriebenen Handwerksunternehmen (= 28,1 %) aus
allen drei sächsischen Regierungsbezirken teil.
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