Presseinformation
Dresden, 7. Juni 2010
Bürokratie im Unternehmensalltag deutlich
zurückfahren!
Sächsischer Handwerkstag: Bislang kaum Fortschritte / Kleine
und mittlere Unternehmen leiden besonders unter Flut an Berichts-
und Meldepflichten
Angesichts einer kaum noch zu beherrschenden Flut an
bürokratischen Vorschriften im Unternehmensalltag fordert der
Sächsische Handwerkstag die Politik auf, die gewerblichen
Unternehmer aus Handwerk und Mittelstand auf Landes-, Bundes- und
EU-Ebene endlich wirksam von administrativen Verpflichtungen zu
entlasten. „Nach wie vor müssen wir Unternehmer einen großen Teil
unserer Arbeits- und Freizeit dafür opfern, um schier endlose
Berichts- und Meldebögen für Behörden auszufüllen statt uns um
Aufträge und Kunden zu kümmern. Trotz gegenteiliger politischer
Beteuerungen und diverser Bürokratieabbau-Gremien können wir in der
Praxis bislang kaum Fortschritte erkennen.“
Handwerkstag-Vizepräsident Roland Ermer sagte am Montag vor
Journalisten in Dresden, mittelständischen Unternehmern machten in
erster Linie die zahlreichen Verordnungen und
Verwaltungsvorschriften zu schaffen. Vor allem Kleinst- und
Kleinunternehmen hätten unter regelmäßigen Berichts- und
Meldepflichten, Kontrollen und Statistiken zu leiden, wie Messungen
der Bürokratiekosten (als Summe der vom Staat geforderte
Dokumentations- und Nachweispflichten) ergaben.
Nach aktuellen Erhebungen belasten rund 9.200 Dokumentations- und
Nachweispflichten die deutsche Wirtschaft mit jährlich 48 Milliarden
Euro. Als am kostenträchtigsten gelten die in vielen Gesetzen
festgeschriebenen Anforderungen des Bundesfinanzministeriums – hier
vor allem die Auflage an Unternehmen, Rechnungen zehn Jahre
aufbewahren zu müssen, aber auch die jedes Jahr neu fälligen,
umfangreichen Steuererklärungen.
Zusätzlicher bürokratischer Aufwand und Kosten, so der
Handwerkstag-Vizepräsident, erwüchsen den Unternehmern aus einer
Fülle weiterer Gesetze und Vorschriften – häufig in Umsetzung
verbindlicher EU-Vorgaben in nationales Recht.
Ein Beispiel dafür sei die schrittweise Einführung sogenannter
Umweltzonen, um die Luftqualität in Großstädten mit starkem
Straßenverkehr zu verbessern. Bislang gibt es derartige Zonen
bundesweit in mehr als 30 deutschen Großstädten; in den nächsten
Monaten sollen Dresden und Leipzig folgen.
„Natürlich sind auch wir Handwerker an einer intakten und
sauberen Umwelt interessiert. Kein Verständnis haben wir allerdings
dafür, wenn z.B. Städte mit Umweltzonen bei Ausnahmeregelungen für
Firmenfahrzeuge uneinheitlich verfahren, sodass von Kommune zu
Kommune unterschiedliche Vorgaben, Gebühren und Antragsformulare
gelten“, erläuterte Ermer. – Hier erwartet das Handwerk von der
Politik dringend Schritte, die bundesweit ein einheitliches Vorgehen
sicherstellen.
Unabhängig davon verkennt das sächsische Handwerk nicht, dass es
seitens der Politik in jüngster Zeit auch positive Ansätze in
Sachen Bürokratieabbau gibt.
Als beispielgebend in Richtung Vereinfachung, Transparenz und
Effizienz wertet der Sächsische Handwerkstag z.B. den jetzt von der
Landesregierung vorgelegten Entwurf für ein neues „Sächsisches
Ladenöffnungsgesetz“. Hier seien im Vorfeld auch Anregungen des
Handwerks eingeflossen.
Zu begrüßen ist darüber hinaus ein Beschluss des EU-Parlaments
vom Frühjahr 2010, durch eine Änderung von
EU-Rechnungslegungsvorschriften Kleinstbetriebe (unter 10
Beschäftigte, Jahresumsatz unter 1 Million Euro) künftig von der
Pflicht zu befreien, eine Jahresbilanz erstellen zu müssen. Künftig
soll für Kleinstbetriebe eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung
(EÜR) genügen. – Von der Bundesregierung erwartet das Handwerk
nunmehr, diese EU-Regelung so schnell wie möglich in nationales
Recht umzusetzen.
Um gerade kleine und mittlere Unternehmer aus Handwerk und
Mittelstand „unterm Strich“ stärker als bisher dem Würgegriff der
Bürokratie zu entziehen, fordert der Sächsische Handwerkstag,
bereits im Vorfeld neuer Gesetze und Verordnungen gründlicher die
Auswirkungen für kleine Unternehmen abzuschätzen. Grundsätzlich
müssten diesbezügliche Aktivitäten daran gemessen werden, ob es dem
Aufbau von Arbeits- und Ausbildungsplätzen eher helfe oder schade.
Zudem sei notwendig, neue Vorschriften prinzipiell mit einer
Verfallsfrist zu versehen.
Pressekontakt:
Sächsischer Handwerkstag
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Frank Wetzel,
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