Presseinformation
Berlin/Dresden, 5. Mai 2010
Gemeindefinanzreform – Handwerk für fairen
Interessenausgleich
Sächsischer Handwerkstag: Kommunen müssen sowohl planbare
Einnahmen als auch Interesse an prosperierenden Unternehmen haben
In der Debatte um eine grundlegende Reform der Gemeindefinanzen
zur Stabilisierung der kommunalen Haushalte macht sich das
sächsische Handwerk für einen fairen Interessenausgleich zwischen
Wirtschaftsakteuren und kommunaler Selbstverwaltung stark. „Ein wie
auch immer gestaltetes Alternativmodell zur heutigen Gewerbesteuer
muss so gestaltet sein, dass Kommunen planbare Einnahmen und
weiterhin ein finanzielles Interesse an prosperierenden Betrieben in
ihrem Territorium haben“, wie Handwerkstag-Präsident Joachim
Dirschka am Mittwoch bei einem Arbeitstreffen des Vorstandes der
Landeshandwerksorganisation mit sächsischen Bundestagsabgeordneten
in Berlin sagte.
Dirschka begründete das nachhaltige Interesse an stabilen
Gemeindefinanzen damit, dass „Handwerksbetriebe als ortsansässige
Arbeitgeber und Ausbilder maßgeblich zu Attraktivität und
Lebensqualität in den Städten und Gemeinden“ beitrügen. Zudem seien
viele Handwerks-Familienunternehmer in ihrem Heimatort politisch
ehrenamtlich aktiv und häufig sogar Mitglied ihres Gemeinderates.
„Gleichwohl ist dem Handwerk daran gelegen, dass es möglichst zu
einer Abkehr von substanzbesteuernden Elementen der Gewerbesteuer
kommt, zumindest aber zu einer deutlichen Reduzierung dieser
Elemente“, äußerte der Handwerkspräsident. Nicht akzeptabel für den
Wirtschaftsbereich Handwerk sei eine Verschärfung der Grundsteuer
der Betriebe oder eine neue sogenannte Grundsteuer C, die
Kleinbetriebe wegen fehlender Freibeträge in ihrer Substanz nur
empfindlich belasten würde.
Um die Kommunalfinanzen langfristig zu stabilisieren, sollte aus
Handwerkssicht seitens des Bundes vor allem erwogen werden, den
Kommunen einen höheren Anteil aus dem Mehrwertsteueraufkommen
zuzuweisen. Denkbar sei aber ebenso, den Kreis der
Gewerbesteuerpflichtigen auf alle Wirtschaftsakteure durch
Einführung einer Gemeindewirtschaftssteuer auszuweiten.
Seit März dieses Jahres berät eine Regierungskommission unter
Vorsitz von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), dem auch
Vertreter kommunaler Spitzenverbände und der Länder angehören, zu
der im Koalitionsvertrag verankerten Reform der Gemeindefinanzen.
Das Gremium will noch vor der Sommerpause ein Zwischenergebnis
vorlegen. – Die Kommunen erwarten von Schwarz-Gelb dringend
Unterstützung aufgrund massiv gestiegener Sozialausgaben und stark
rückläufiger Gewerbesteuereinnahmen, nicht zuletzt infolge der
anhaltenden Wirtschaftskrise.
Weitere politische Themen in dem mittlerweile zum 12. Mal
veranstalteten Arbeitsgespräch mit Bundestagsabgeordneten betrafen
unter anderem die angespannte Lage in der Unternehmensfinanzierung
sowie Erfordernisse einer langfristigen Fachkräftesicherung
angesichts des demografischen Wandels in der Bevölkerung.
Als größte Landeshandwerksorganisation im Osten Deutschlands
vertritt der Sächsische Handwerkstag aktuell mehr als 58.500
Betriebe, in denen insgesamt mehr als 300.000 Menschen beschäftigt
sind. Rund ein Drittel aller Handwerksbetriebe der neuen Länder ist
damit in Sachsen ansässig.
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